Dr. Alexander Nürnberg

 
Herr Dr. Nürnberg, Sie haben an der TUHH Maschinenbau studiert und anschließend promoviert.
Wie hat sich die TUHH seitdem verändert?

Im Herbst 1983 nahm ich das Hauptstudium des Schiffsmaschinenbaus an der TUHH auf. Das Technikum war das einzige fertiggestellte Gebäude. Teile des Krankenhauses und zahlreiche Räumlichkeiten im Harburger Stadt- und Hafengebiet wurden für die damaligen Arbeitsbereiche genutzt.
Unser Semester bestand aus 12 Studenten. Drei kamen mit dem Vordiplom von anderen Hochschulen, die anderen hatten schon ein FH Studium absolviert.
Wir waren im ersten Jahrgang des Lehrbetriebs der TUHH. Es gab deutlich mehr Professoren und Assistenten als Studenten und wir genossen die Beachtung, die uns geschenkt wurde.
Es gab eine bemerkenswerte Aufbruchstimmung und eine „ja, das geht“ Grundhaltung im akademischen und im verwaltenden Betrieb. Improvisation war die Grundlage für den erfolgreichen Start. Wir haben das als sehr motivierend empfunden.
Heute verfügt die TUHH über eine hervorragende Infrastruktur und ist integraler Bestandteil Hamburgs geworden. Alles ist viel professioneller, auch größer und damit auch anders. Das ist eine natürliche und notwendige Entwicklung, wenn man in der ersten Liga der technischen Universitäten spielen will.

Wo in Harburg haben Sie als Student Zeit verbracht?
Harburg konnte in der Mitte der 80er Jahre wenig für Studenten bieten. Ich erinnere noch die Plakate in Eißendorf mit der Aufschrift: „Keine Universität im Wohngebiet!“ Wir hatten also einen eher exotischen Status damals. Konkret beantwortet: Im Technikum, in der Harburger Schloßstraße und im Lauenbruch Ost. Die Freizeit habe ich im gerade erwachenden Ottensen verbracht.

Wie ging es nach Ihrer Promotion im Jahr 1991 beruflich für Sie weiter?
Am 2. Januar 1992 habe ich als Entwicklungsingenieur bei der Firma HATLAPA in Uetersen begonnen. Mein Mentor beim Studienbeginn an der TUHH war mein erster Chef. So klein kann die Welt sein!
1994 wurde ich Konstruktionsleiter, 1995 zusätzlich Produktionsleiter und 1996 dann Geschäftsführer. Das bin ich heute immer noch.
Obwohl ich nun seit 22 Jahren in demselben Unternehmen arbeite, war noch kein Tag wie der andere.

Gute Noten? Ein Studium in Regelstudienzeit? Was ist für einen erfolgreichen Berufseinstieg wichtig?
Ich bin da eher ein Beispiel für den unkonventionellen Weg. Leistungskurse in Englisch und Geschichte, Abi mit einem Durchschnitt von 3,1 machen heute den Start in ein Maschinenbaustudium nicht leicht.
Dann habe ich auch noch bemerkenswerte 10 Semester für das Vordiplom gebraucht, das ich mit 2,7 abschloss. Im heutigen Bachelor System wäre es das dann gewesen.
Das Hauptstudium habe ich nach 4 Semestern mit 2,0 absolviert und nach weiteren 4 Jahren die Promotion dann mit sehr gut.
Während meiner Studentenzeit habe ich viel in der Industrie gearbeitet und gerne Verantwortung übernommen. Das hat mir Berufseinstieg leicht gemacht und die Entwicklung war dann auch nicht so schlecht…

Was spricht Ihrer Meinung nach für ein Studium an der TUHH?
Die TUHH ist eine moderne, internationale Universität mit einem klar formulierten Leistungsanspruch. Die Größe ermöglicht guten persönlichen Kontakt und das Angebot ist fokussiert. Das ermöglicht die Erreichung eines hohen Niveaus.
Bemerkenswert finde ich auch das Angebot im akademischen Umfeld, seien es die Musik, der Sport oder die Kunst. Das ist gelebte Lebensqualität!

Neben Ihren beruflichen Aufgaben engagieren Sie sich auch im Alumniverein und in der Stiftung der TUHH. Was motiviert Sie zu diesem Engagement?
Ich bin während meiner Zeit an der TUHH von hervorragenden Persönlichkeiten unterrichtet worden, denen ich sehr viel zu verdanken habe. Oft habe ich den Umgang verglichen mit der Zeit der griechischen Philosophen und ihren Schülern auf den Marktplätzen. Die Wissensvermittlung ging weit über das technisch fachliche hinaus und der Dialog hat das Denken und Verstehen geschärft.
Bildung ist ein sehr wichtiges Gut und ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass das in der Gesellschaft geleistet werden kann.