Dr.-Ing. Jan Biermann

Jan Biermann

Nationalität: Deutsch
Stadt, Land: München, Deutschland
Studiengang, Abschluss: Theoretischer Maschinenbau (Dipl.-Ing), Maschinenbau (Dr.-Ing.)
Abschlussjahr: Dipl.-Ing.: 2005, Dr.-Ing.: 2012
Arbeitgeber, Position: BMW Group, Spezialist Entwicklung (Akustik und Schwingungen)

Was war für Sie in der Zeit an der TUHH ein unvergessliches Erlebnis?
Die sicherlich größte und schönste persönliche Erfahrung war das Jahr an der University of Waterloo in Kanada, welches mir durch das Austauschprogramm an der TUHH ermöglicht wurde. Aber ich werde auch nie das Lernen für meine allererste Klausur an der TU (Mathe 1) vergessen. Bis dahin war es für mich immer ausreichend dem Lehrer zuzuhören und hatte es dann irgendwie verstanden und behalten. An der TU realisierte ich, dass das nicht mehr funktioniert und ich musste lernen zu lernen. Das war eine anfangs harte, aber im Nachhinein schöne persönliche Erfahrung.

Was nutzen Sie aus dem Studium für Ihren Beruf?
Das würde ich mit antrainierter „Ingenieursdenke“ beantworten. Im Studium denkt man, dass die konkreten Inhalte wichtig sind. Was aber am wichtigsten ist und wobei das Studium sicher geholfen hat ist die Fähigkeit, sich schnell in neue und durchaus komplexe Sachverhalte einzuarbeiten und bei Problemlösungen einen ingenieurstechnischen Denkansatz zu verwenden, welcher sich teils massiv von anderen Disziplinen unterscheidet.

Was ist das Tollste an Ihrem Job?
Zum einen arbeite ich an einem schönen und emotionalisierenden Produkt. Das hilft der Motivation. Zum anderen bewege ich mich in einem großen und sehr internationalen Unternehmen. Das hat auch seine Nachteile, aber die Komplexität der Organisation, der Prozesse und letztlich auch der technischen Aspekte der daraus hervor gehenden Produkte führt dazu, dass man wirklich jeden Tag etwas Neues lernt und mehr versteht. Eigentlich sieht kein Tag wie der andere aus und man hat gefühlt unendlich viele Möglichkeiten seine Fähigkeiten einzubringen und zu erweitern. Das ist spannend.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus und welche Kompetenzen brauchen Sie dafür?
Man bearbeitet eigentlich x-verschiedene Projekte gleichzeitig, die alle in unterschiedlichen Phasen im Entwicklungsprozess stehen und somit unterschiedliche Tätigkeiten verlangen. Das bedeutet, dass man an einem Tag im Prüfstand arbeitet und Messdaten analysiert, wobei dies eine Analyse eines Wettbewerbsfahrzeugs sein kann oder man Prinzipversuche macht, um physikalische Grundzusammenhänge zu verstehen. Am gleichen Tag macht man sich Gedanken über Simulationsmethoden oder interpretiert Simulationsdaten aus Fahrzeugprojekten im sehr frühen Stadium. Man bereitet permanent Präsentationen vor, hält und vertritt diese in diversen Meetings in unterschiedlichen Bereichen. Dies bedarf in großem Maße Multitasking Fähigkeiten und schnelles Umschalten. Man muss täglich sowohl an der eigenen fachlichen Tiefe arbeiten, aber auch an dem Verständnis in der Breite, denn das am Ende stehende Produkt ist das Ergebnis eines langen Ringens um eine gesamtoptimale Lösung, welche in der Regel ein Kompromiss aus einer Vielzahl von konkurrierenden Eigenschaften und Aspekten ist, also technisch, betriebswirtschaftlich oder auch legislativ. Man muss immer das „big picture“ im Kopf zu haben, und das geht nur mit Ausdauer und Überzeugungskraft.

Ich würde gerne mal einen Tag tauschen mit …
Angela Merkel

Was würden Sie einen allwissenden Forscher aus der Zukunft fragen?
Wird es die Evolution schaffen, einen „Menschen 2.0“ hervor zu bringen, der frei von egoistischen und zerstörerischen Trieben inhärent zu einem achtsameren Umgang sowohl mit seiner physischen Lebensgrundlage, als auch mit seinem sozialen Umfeld in der Lage ist.

Wenn Sie Präsident der TUHH wären…
… würde ich anregen die Studienpläne kritisch zu überdenken. Ich durfte das deutsche System erleben, aber auch das nordamerikanische. Beide sind verschieden und jedes hat seine individuellen Vor- und Nachteile, beide stellen aber aus meiner Sicht nicht das „Ende der Fahnenstange“ dar. Ich würde versuchen das Beste aus beiden Welten zu kombinieren.