Tanja Karp

Nationalität: Deutsch
Stadt, Land: Lubbock, Texas, USA
Studiengang, Abschluss: Elektrotechnik (Signalverarbeitung und Nachrichtentechnik), Promotion
Abschlussjahr: 1994
Arbeitgeber, Position: Department of Electrical and Computer Engineering, Texas Tech University, Associate Professor

Warum haben Sie sich damals für die TUHH entschieden und war das aus heutiger Sicht gut?

Die TUHH war eine kleine junge Uni mit gutem Ruf. Die familiäre Atmosphäre sagte mir sehr zu, man lernte sich schnell kennen und die Professoren kannten uns beim Namen. Es gab viele Möglichkeiten, sich als studentische Hilfskraft bereits frühzeitig einen Einblick in die Forschung zu verschaffen. Trotz ihrer überschaubaren Größe fungierte die TUHH bereits damals als Tor zur Welt: Im Rahmen des ERASMUS Programmes studierte ich ein Semester lang in Bordeaux und als Doktorandin war ich vorübergehend an Forschungsprojekten der University of Wisconsin in Madison und an der ENST Paris beteiligt und konnte mir durch den Besuch von Konferenzen frühzeitig ein eigenes internationales Netzwerk aufbauen.

 

Wie würden Sie Ihre Zeit an der TUHH zusammenfassen?

Es war eine arbeitsintensive Zeit, aber auch eine Zeit vieler neuer Freundschaften. Die TUHH gab sich damals ein jung-dynamisches Aussehen und befand sich noch im Aufbau, so dass wir im Grundstudium Vorlesungen im Helms-Museum und auf der Eichenhöhe hörten und im Finanzamt zu Mittag aßen. Die Professoren waren sehr engagiert in der Lehre. Den Klausurstress, in dem wir uns alle befanden, empfindet man nach vielen Jahren und nach erfolgreichem Absolvieren der Klausuren als nicht mehr so schlimm.

 

Was nutzen Sie aus dem Studium für Ihren Beruf?

Aus der Signalverarbeitung und Nachrichtentechnik nutze ich viel. Auch auf die mathematischen Grundlagen und Programmierkenntnisse greife ich regelmäßig zurück. Aus anderen Fächern, wie Materialwissenschaften oder der Energietechnik, ist die Gewissheit geblieben, jemanden zu verstehen, der in diesem Bereich arbeitet und mich selbst gegebenenfalls wieder einarbeiten zu können.

 

Sie lehren mittlerweile an der Texas Tech University, was sind Ihrer Meinung nach die größten Unterschiede zu den deutschen Universitäten?

Die Texas Tech University ist eine breitgefächerte Universität mit ca. 35.000 Studierenden. Es handelt sich um eine typische amerikanische Campus-Universität. Dadurch, dass Lubbock mit 250.000Einwohnern die größte Stadt in einem Umkreis von ungefähr 500 km ist, wohnen fast alle Studierende auf dem Campus oder in Campusnähe. Ein Hauptunterschied sind natürlich die immens hohen Studiengebühren. Außerdem wird ein Großteil der Studienleistungen bereits während des Semesters erbracht. Insgesamt ist das Bachelor-Studium schulischer organisiert, praxisorientierter und es findet eine intensive Betreuung der Studierenden statt. Außerhalb der Vorlesungen gibt es hier viel mehr Studentenorganisationen, in denen man sich engagieren kann.

 

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus und welche Kompetenzen brauchen Sie dafür?

Die meisten Tage bestehen aus einem Zeitmultiplex von Lehre, Forschung, Betreuung von Studenten und Gremienarbeit. Im Frühjahrssemester organisiere ich außerdem einen Robotik-Wettbewerb für Schüler und Schülerinnen, um ihr Interesse an MINT-Fächern zu wecken. Die etwa 700 Teilnehmer werden an ihren Schulen von Studierenden meiner „Einführung in die Ingenieurswissenschaften“- Vorlesung betreut. Für den 8-wöchigen Wettbewerb verbringe ich einen Großteil meiner Zeit mit Organisation.

 

Sie leben in den USA und halten trotzdem den Kontakt zur TUHH. Warum?

Verbindungen zur TUHH sind mir bereits beruflich zugute gekommen. So haben in diesem Frühjahr erstmals Schüler und Schülerinnen aus Deutschland, USA und Südafrika gemeinsam an einem von mir organisierten Robotik-Wettbewerb teilgenommen, wobei die Hamburger Gruppe von der TUHH rekrutiert wurde. Auch im internationalen Studentenaustausch habe ich mich dafür eingesetzt, dass die beiden Universitäten eine Partnerschaft eingegangen sind. Die ersten TUHH-Studierenden waren bereits sehr erfolgreich während ihres Semesters an der Texas Tech University. Persönlich habe ich noch Familie in Norddeutschland und freue mich immer, einen TUHH-Besuch mit einzuplanen.