Prof. Ingo Hadrych

Name, Vorname: Hadrych, Ingo
Nationalität: Deutsch
Stadt, Land: Buxtehude, Deutschland
Studiengang: Bauingenieurwesen, Ph.D.
Position, Arbeitgeber: Präsident der Buxtehuder hochschule 21

„Sich nicht scheuen, große Themen anzugehen“

Warum haben Sie sich damals für die TU Hamburg und Ihr Studienfach entschieden?

Mein Vater war selbstständiger Architekt und von daher war mir das Bauwesen nicht unbekannt. Ich habe dann auch ein Architekturstudium an der damaligen Fachhochschule Hamburg absolviert, dabei jedoch recht schnell festgestellt, dass mir die konstruktiven Fächer mehr liegen als die entwurflichen. So war ein Studium in dem noch relativ jungen Studiengang Bauingenieurwesen an der TU Hamburg naheliegend – sowohl das Studium als auch die anschließende Promotion.

Wie war Ihr Werdegang, nachdem Sie die TU Hamburg verlassen haben?

Meine Themen Stahl- und Holzbau haben mich veranlasst, in die mittelständische Bauwirtschaft zur Hamburger Firma HC Hagemann zu wechseln, die sich zum damaligen Zeitpunkt intensiv mit der Sanierung genieteter Brückenkonstruktionen beschäftigt hat. Dort bin ich sukzessive in die Immobilienprojektentwicklung hineingewachsen. 2017 habe ich mich dann entschlossen, an einer Hochschule tätig zu werden. Ich übernahm an der hochschule 21 in Buxtehude die Professur für Konstruktiven Ingenieurbau und Bauinformatik. Seit Oktober 2020 bin ich nun als Präsident dieser Hochschule tätig.

Was ist das Beste an Ihrem jetzigen Job?

Einerseits bin ich im akademischen Umfeld tätig, in dem mir in den Vorlesungen die Weitergabe von Wissen und Erfahrungen an Studierende sehr viel Spaß gemacht hat, und andererseits darf ich nun in der Funktion als Präsident dieses Umfeld ein Stück weit gestalten und formen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus und welche Kompetenzen brauchen Sie dafür?

In diesen herausfordernden Corona-Zeiten und nach so kurzer Zeit im Amt gibt es noch gar keinen typischen Arbeitstag, aber ich kann so viel sagen: Einen ganz erheblichen Teil macht die Kommunikation mit den verschiedensten Beteiligten einer Hochschule von den Studierenden über die Kolleginnen und Kollegen in Akademik und Verwaltung bis hin zu diversen Gremien, wie zum Beispiel dem Hochschulsenat, aus.

Was nutzen Sie aus dem Studium für Ihren Beruf?

Natürlich brauche ich an einer Fachhochschule mit einem großen Fachbereich Bauwesen noch immer mein baufachliches Wissen aus dem Studium. Daneben habe ich aber vor allem die Fähigkeit zum analytischen und strukturierten Denken mitgenommen. Inhalte in eine klare Struktur zu bringen, komplexe Themen nötigenfalls zu vereinfachen und Fragestellungen zu priorisieren sind Dinge, die für den Umgang mit fachfremden Fragen extrem wichtig sind.

Was leitet Sie? Haben Sie ein Arbeits- oder Lebensmotto?

Man soll sich nicht scheuen, neue und vielleicht auch im ersten Moment groß wirkende Themen und Hürden anzugehen – die anderen kochen auch nur mit Wasser. Außerdem ist mir ein offener und ehrlicher Umgang wichtig, aber immer auf einer sachorientierten und nicht persönlichen Ebene.

Was für ein Student waren Sie? Nerd oder Partylöwe?

Auch wenn es langweilig klingt, eher der berufsorientierte Nerd.

Gab es während der Zeit an der TU Hamburg ein unvergessliches Erlebnis?

Zwei Dinge fallen mir ganz spontan ein: einerseits eine Tagesexkursion zu einem Brückenverschub in Hessen mit einem meiner damaligen Professoren, bei dem wir auf der Fahrt mit seinem schon etwas betagten Fahrzeug und Schmierölverlusten zu kämpfen hatten, und andererseits im Rahmen einer Studienarbeit ein Feldversuch, bei dem wir Schwingungsmessungen an einer Fußgängerbrücke in Wilhelmsburg durchgeführt haben und mit mehreren Studenten hüpfend die Brücke zu Vertikal- und Torsionsschwingungen angeregt haben.

Ich würde gerne mal einen Tag tauschen mit …

… einem Wissenschaftler auf der Neumayer-Station in der Antarktis.

Was würden Sie einen allwissenden Forscher aus der Zukunft fragen?

Ich würde gerne wissen, ob die derzeitige Pandemiesituation eines Tages einfach eine Anekdote der Geschichte sein wird oder ob sie uns und unser Zusammenleben nachhaltig verändert.

Wenn Sie Präsident der TU Hamburg wären …

Was mir wichtig wäre, ist die Überwindung von Grenzen, die ich gerade in der Hochschullandschaft immer wieder sehe, mal in Form von Landesgrenzen zwischen Hamburg und Niedersachsen, mal in Form von Berührungsängsten oder Konkurrenzängsten zwischen Universitäten, Fachhochschulen oder privaten Hochschulen. Wir alle haben schließlich ein gemeinsames Ziel, nämlich Lehre, Forschung und Weiterbildung voranzubringen.

„Mir ist ein offener und ehrlicher Umgang wichtig.“

Michael Bluemner

Name, Vorname: Bluemner, Michael
Nationalität: Deutsch, Seychellisch
Stadt, Land: Glacis, Mahé, Seychellen
Studiengang/Abschluss: HWI/Dipl.-Ing. oec. (Wirtschaftsingenieur)
Abschlussjahr: 1988
Arbeitgeber/Position: Selbstständig

Sie leben auf den Seychellen, was hat Sie dorthin verschlagen?

Ich lebe seit über 10 Jahren auf den Seychellen. Meine Ehefrau kommt von hier, so war es abzusehen, dass wir irgendwann hier landen werden, um in Ruhe unseren Lebensnachmittag und –abend zu verbringen.

Wie war Ihr Werdegang, nachdem Sie die TUHH verlassen haben?

Als Wirtschaftsingenieur ist man für eine Karriere in der Unternehmensberatung prädestiniert, so habe ich auch zunächst diesen Weg eingeschlagen. Es ist zwar eine überaus herausfordernde Arbeit, aber man lernt im Vergleich zu anderen Werdegängen viel mehr in kürzester Zeit und arbeitet von Anfang an mit dem Management der Unternehmen zusammen. Allerdings ist man sehr viel unterwegs und oft auch für längere Zeit, insbesondere bei globalen Beratungsunternehmen, wie Price Waterhouse. Aber ich wollte gerne einen “festen Wohnsitz” haben, also verließ ich Price Waterhouse in Hamburg für die SAP in Walldorf. Innerhalb der SAP habe ich unterschiedliche Aufgaben und Rollen in der Beratung, im Vertrieb und im Management wahrgenommen. Nun war es hier nicht die Projektarbeit, die einen in der Welt umherschickt, sondern die regionale oder globale Rolle selbst. So habe ich mehrere Jahre in Dubai gelebt, als Managing Director der SAP für den Mittleren Osten. Anschließend bin ich nach Bahrain gezogen für fast zwei Jahre in der Verantwortung als Vice President für die SAP. In dieser Rolle habe ich auch sehr viel Zeit in Palo Alto und Philadelphia verbracht. Soviel zum “festen Wohnsitz”.

Meine Frau und ich haben die SAP und Deutschland dann 2009 verlassen, und sind für ein halbes Jahr nach London gezogen, und von dort aus dann auf  die Seychellen migriert. Dort haben wir uns ein Haus gebaut, 6 Hunde adoptiert, eine NGO gegründet, die eine lokale Reha-Klinik und ein Hospiz unterstützt, und uns an der Universität der Seychellen im Bereich Financial Services weitergebildet. Als selbstständige Unternehmensberater sind wir nun hier im Bereich Financial Services tätig und verdingen uns als “Fit-and-Proper” Direktoren für mehrere Investmentunternehmen (meine Frau ist Volkswirtin).

Durch Zufall lernte ich auf einer Veranstaltung den namibischen Botschafter für die SADC Länder kennen, was zur Folge hatte, dass ich 2018 zum Honorarkonsul für Namibia auf den Seychellen ernannt wurde. In dieser Funktion trifft man viele Volksdiener, bis zum Präsidenten der Republik. Er hat mich dann in den Aufsichtsrat der größten Bank der Seychellen berufen, in der die seychellische Regierung der Hauptaktionär ist. Mal schauen was die Zukunft noch so bringt.. Soviel zum ruhigen Lebensabend.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Es gibt keinen typischen Arbeitstag, außer daß ich morgens zuständig bin für das Frühstück für meine Frau und mich, unseren Haushälter und unsere Hunde. Danach setze ich mich an meinen Rechner und gehe durch meine Emails. Ich arbeite im Wesentlichen von zuhause, wenn keine Meetings in der Bank oder sonstwo in der Stadt anstehen. Nachmittags, wenn es die Zeit erlaubt, genehmige ich mir ein oder zwei Stunden für mein Online-Studium. Ich habe mich im März diesen Jahres für ein paar Astrophysikkurse an der Australian National University eingetragen.

Was ist das Tollste an Ihrem jetzigen Job?

Ich treffe interessante Menschen und kann Vieles bewegen, was sowohl für die Seychellen als auch für Namibia wirtschaftlich und ökologisch relevant ist. Als freiberuflicher Unternehmensberater, im Wesentlichen als Fit-and-Proper Direktor für mehrere Investmentunternehmen, lernt man viel über Assetmanagement, Finanzprodukte und Geschäftsethik und man kann natürlich seine Pension aufbessern, denn das Leben auf den Seychellen ist recht kostspielig.

Als Mitglied des Aufsichtsrates der Bank kann ich mit meiner Erfahrung als Berater in der Financial Services Industrie helfen, Prozesse zu etablieren um beispielsweise die zu erwarteten Risiken der Covid-19 Krise zu reduzieren. Das ist eine bereichernde und erfüllende Aufgabe.

Warum haben Sie sich damals für die TUHH entschieden und war das aus heutiger Sicht gut?

Ich habe mich nicht direkt für die TUHH entschieden sondern vielmehr für den Hochschulübergreifenden Studiengang Wirtschaftsingenieur (HWI), in dem die TUHH eine der austragenden Institutionen war. Es war nach meiner Ehefrau die beste Entscheidung meines Lebens. (Schiffbauingenieurwesen wäre meine Alternative gewesen, da ich auch qualifizierter Schiffbauer bin)

Was war Ihre Motivation, dieses Studienfach und diesen Beruf zu wählen?

Als Wirtschaftsingenieur wird man sowohl für ökonomische, rechtliche als auch für technische Aufgaben vorbereitet. Dies erschien mir interessanter als nur in eine bestimmte Richtung zu denken, wie Jura, Volks- und Betriebswirtschaftslehre oder Ingenieurwissenschaften. Es war allerdings auch ein sehr herausfordernder Studiengang, durch den man jedoch, wie oben erwähnt, eine gute multidisziplinäre Ausbildung für eine Karriere in der Unternehmensberatung erhält. Wenn man von einer internationalen Top Management Beratung kommt, kann man fast überall hin wechseln.
Meine Empfehlung:
Auch einem Ingenieurstudenten der TUHH würde ich nach meiner heutigen Erfahrung empfehlen parallel Vorlesungen in Finanzwissenschaften an der Universität Hamburg zu besuchen, oder im Anschluss an ein TUHH Bachelor Studium einen internationalen Master in Finance, Economics oder Business Administration zu erlangen, unbedingt in englischer Sprache. Alternativ, wenn man den rein technischen Weg gehen will und eine erfolgreiche Karriere machen möchte, würde ich die TUHH nicht ohne Promotion verlassen. Das ist schon fast eine Voraussetzung für globale High-Tech Unternehmen. Von Vorteil wären hier Auslandssemester bei Partneruniversitäten im Rahmen des Doktorandenstudiums.

Was haben Sie vom TUHH-Studium über die fachlichen Kenntnisse hinaus mitgenommen?

Ich habe seinerzeit mein Examen in Automatisierung bei Professor Cremer (RIP) von der TUHH gemacht. Während des Studiums habe ich an seinem Institut gearbeitet und dort die Laborversuche (Technische System Simulation, Robotics) geleitet. Außerdem habe ich “Nachhilfe-Vorlesungen” in Mathematik für meine Kommilitonen gehalten. Dabei habe ich gelernt daß man Sachverhalte am besten versteht, wenn man sie selbst unterrichtet. Diese Erfahrung hat mich mein ganzes Leben begleitet und mir oft den nötigen Mut gegeben, meine Hand zu heben, wenn es darum ging jemanden zu finden der sich schnell und gründlich in komplexe neue Themen einarbeiten kann, um das Erlernte dann an Kollegen/Peers weiterzugeben und natürlich auch Mitarbeiter zu coachen.

Was nutzen Sie aus dem Studium für Ihren Beruf?

Als Wirtschaftsingenieur kann man gut interdisziplinäre Aufgaben lösen und ist somit gut vorbereitet Unternehmen aus diversen Services und Industrien zu leiten, inklusive Beratungsunternehmen. Als Konsul helfe ich ein Doppelbesteuerungsabkommen und diverse technische Kooperationsverträge zu verhandeln sowie bilaterale Investitionen zu validieren. Also selbst für eine diplomatische Karriere liefert das Wi-Ing-Studium ein gutes Fundament.

Wo haben Sie in Hamburg/ Harburg neben dem Studium am liebsten Ihre Zeit verbracht?

Ich wohnte in Winterhude und war also oft im Stadtpark und in der Sternwarte zu finden. Aber ich mochte auch die Eppendorfer Szene, die Lichtspiele in Planten un Blomen, das Alsterufer im Sommer nach der Uni, Pöseldorfer Kneipen, die Fahrt mit der Fähre nach Blankenese und natürlich die Passagen am Jungfernstieg. Ich habe viele Städte besucht und in vielen gelebt, aber Hamburg ist noch immer bei weitem die schönste und lebenswerteste Stadt der Welt.

Was würden Sie einen allwissenden Forscher aus der Zukunft fragen?

Wie haben wir die wissenschaftlichen Herausforderungen des Warp-Antriebes und der Nuklearen Fusion gelöst und den Big Bang erklärt.

Wenn Sie Präsident der TUHH wären…

… würde ich versuchen wieder ein Teil von einem Hochschulübergreifenden Studiengang Wirtschaftingenieur zu werden!

Dr. Gabriela Espinosa Gutierrez

Name, Vorname: Espinosa Gutierrez, Gabriela
Nationalität: Mexikanisch
Stadt, Land:
Studiengang/Abschluss:
Abschlussjahr:
Arbeitgeber/Position:

Warum haben Sie sich damals für die TUHH entschieden und war das aus heutiger Sicht gut?

Nach meinem Studium der Umweltschutztechnik in Mexiko wollte ich unbedingt ein Masterstudium in Deutschland wegen der Sprache und Innovationstradition des Landes anschließen. Hamburg fand ich als internationale Metropole sehr attraktiv, jedoch war die Kombination aus technischer Uni und MBA-Studium der entscheidende Faktor. Es bestätigt sich für mich immer wieder, dass das eine sehr gute Entscheidung war. Dank der Ausbildung als Ingenieurin an der TUHH und der Managementkenntnisse, die ich am NIT erworben habe, bin ich in der Lage, die Herausforderungen im Job ganzheitlich zu betrachten.

Was war Ihre Motivation, dieses Studienfach und diesen Beruf zu wählen?

Der Umweltschutz ist für mich immer ein wichtiges Thema gewesen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, in einem anderen Gebiet mit Leidenschaft zu arbeiten. Ich weiß aber auch, dass wirtschaftlicher Fortschritt und Umweltschutz Hand in Hand gehen müssen, um eine echte nachhaltige Entwicklung unserer Weltgesellschaft gewährleisten zu können.

Wie war Ihr Werdegang, nachdem Sie die TUHH verlassen haben?

Ich habe zwei Jahre in Hamburg als Umweltberaterin gearbeitet. Während dieser Zeit habe ich viele Industriezweige kennengelernt, Standorte besichtigt und bin viel gereist. Danach kam ich an die TUHH zurück und bekam die Chance, am Institut für Abwasserwirtschaft und Gewässerschutz zu promovieren. Ich entwickelte ein Projekt für eine Wasserbilanz für meine Heimatstadt in Mexiko. Seit einigen Jahren arbeite ich als Projektmanagerin bei Knoell Germany und erstelle ökologische Risikobewertungen für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Was ist das Tollste an Ihrem jetzigen Job?

Ich finde es faszinierend, dass man sehr komplexe Prozesse der Natur in langfristigen Zeitreihen am Computer simulieren kann. Ich arbeite mit Kollegen aus vielen verschiedenen Fachrichtungen zusammen und jeder hat eine andere Aufgabe. Diese Multidisziplinarität finde ich nicht nur spannend, sie ist für ganzheitliche Lösungen unbedingt notwendig. Wenn ich es dann schaffe, dass alle die Projektziele unterstützen, die Kommunikation zwischen den Facheinheiten gut funktioniert und wir alles im projizierten Zeit- und Kostenrahmen schaffen, dann fühlt sich das toll an!

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus und welche Kompetenzen brauchen Sie dafür?

Als Projektmanagerin muss ich viel kommunizieren. Mein Arbeitstag ist geprägt von Teammeetings, Telefonaten und Kundenkommunikation, einen großen Teil der Zeit verbringe ich damit, Arbeit zu organisieren und Ergebnisse für die Risikobewertung zu interpretieren und zu kommunizieren.

Was haben Sie vom TUHH-Studium über die fachlichen Kenntnisse hinaus mitgenommen?

Während des Studiums habe ich nicht nur die deutsche Kultur und Arbeitsweise kennengelernt, sondern auch Menschen aus vielen verschiedenen Ländern. Da habe ich die kulturellen Unterschiede wahrgenommen und gelernt, dass jeder anders tickt und es je nach Land verschiedene Mentalitäten gibt. Diese Erfahrung hilft mir heute, mit Leuten aus der ganzen Welt effektiv zu kommunizieren und zu arbeiten. Darüber hinaus habe ich aufgrund des Doppelmasterstudiums gelernt, besser mit Stress umzugehen und unter Zeitdruck Prioritäten zu setzen. Aber auch, dass harte Arbeit viel Spaß machen kann, wenn sich eine gute Atmosphäre mit Freunden und Kollegen bildet.

Wo haben Sie in Hamburg neben dem Studium am liebsten Ihre Zeit verbracht?

In meiner Freizeit bin ich häufig mit Freunden an der Alster oder in Planten und Blomen spazieren gegangen. Und ich war auch sehr gerne Salsa tanzen auf der Reeperbahn oder mit Freunden in Kneipen mit Livemusik, um ein Bier zu trinken. Das war fast ein Wochenendritual.

Gab es während der Zeit an der TUHH ein unvergessliches Erlebnis?

Unvergesslich war die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland, von der einige Spiele sogar in Hamburg stattfanden. Die Partystimmung auf den Straßen, die voll waren mit Touristen aus aller Welt, das war einfach großartig. Die größte Party, die ich je gesehen habe.

Was würden Sie allwissende Forschende aus der Zukunft fragen?

Ob sie Leben im All gefunden haben und wie sie mit Lebenswesen von anderen Planeten kommunizieren.

Wenn Sie Präsidentin der TUHH wären …

… würde ich das Fach Nachhaltigkeit in allen Studiengängen als Pflichtvorlesung einführen mit gezielten Übungen je nach Fachrichtung. Somit könnten die Studierenden schon sehr früh lernen, die Aspekte der Nachhaltigkeit in der Produktion und in Innnovationsprozessen im Auge zu haben und einzubinden.

Hugo Pernía

Name, Vorname: Pernía Arellano, Hugo
Nationalität: Venezolaner
Stadt, Land: Caracas, Venezuela
Studiengang: International Production Management (IPM) Master
Position, Arbeitgeber: Schadensregulierer bei Miller International

Sie sind Präsident unseres Alumni Chapter in Caracas, was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Ich habe die Aufgabe gerne übernommen, alle Venezulaner zusammenzubringen, die an einer Fakultät oder einem Institut der TUHH studiert und geforscht haben. Ich wünsche mir sehr, dass die Verbindungen zwischen unseren beiden Ländern verbessert werden – besonders in den Bereichen, in denen wir tätig sind. Außerdem ist es eine Freude, mit unterschiedlichen Generationen in Verbindung zu sein, die in den letzten 40 Jahren eine akademische oder  wissenschaftliche Ausbildung an der TUHH absolviert haben..

Was war für Sie in der Zeit an der TUHH ein unvergessliches Erlebnis?

Dass wir ausländischen Master-Studierenden am ersten Unterrichtstag im Audimax vom  damaligen TUHH-Präsidenten Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Christian Nedeß empfangen wurden, der sich eindeutig zum Frieden und zum Fortschritt der Wissenschaft, der angewandten Technologien und zum Humanismus bekannte. Das war im Oktober 2001, kurz nach dem 11. September 2001. Der TUHH-Präsident formulierte diese couragierte Antwort, die damals erforderlich war. Es war gut, als damals junger Student aus einem weit entfernten Land diese Botschaft vom TUHH-Präsidenten persönlich zu hören.

Was nutzen Sie aus dem Studium für Ihren Beruf?

Im Beruf schätze ich mich glücklich, einen Großteil des im Produktionsmanagement-Programm der TUHH Erlernten anwenden zu können, besonders in den Bereichen Materialwissenschaft (Hochleistungskeramik, Polymere & Verbundwerkstoffe), Zuverlässigkeit in der Konstruktion von Maschinen und Ersatzteilen (Zuverlässigkeitstechnik), Design technischer Teile (Produktplanung und Entwicklung), Fabrikdesign (Organisation des Produktionsprozesses), Technikfolgenabschätzung, Innovationsmanagement usw. Erwähnen muss ich die einzigen Fächer, die für meine Arbeit nicht von Belang sind: die Kompetenzen in Transaktionsverarbeitung, Unternehmenssoftware (SAP) und Internationaler Gesetzgebung – es sind aber sehr gute Lehrveranstaltungen, die Bestandteile des Lehrplans waren.

Was ist das Tollste an Ihrem Job?

Für diejenigen von uns, die in einem Bereich der Industriellen Risiken tätig sind, schließt unsere Arbeit Reisen fast überall auf dem amerikanischen Kontinent mit ein. Wir erhalten viele Kenntnisse sehr unterschiedlicher und vielseitiger Produktionsprozesse (von denen die meisten Technologien „Made in Germany“ anwenden) und treffen sehr unterschiedliche Menschen .

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus und welche Kompetenzen brauchen Sie dafür?

Unsere Arbeit fängt meist nach einem Unglück oder nach hohen wirtschaftlichen Verlusten an. Wir sind für Kunden (Rückversicherer) aus ganz Lateinamerika tätig. Wir helfen außerdem bei der Organisation von Notfallreparaturen oder Geschäftsräumen und beraten bei der Gewährleistung der Sicherheit vor Ort, um weitere Verluste zu verhindern. Meine Arbeit ist ein Rund-um-die-Uhr-Service für den internationalen Markt.

Der Schadensregulierer spielt in der Schadensbearbeitung eine entscheidende Rolle. Um Schadensregulierer zu werden, hilft ein Hochschulabschluss in Bau-, Vermessungs- oder Ingenieurwesen und im Risikomanagement, aber Erfahrung mit komplexen Branchen ist ein wichtiger Faktor, um solides Fachwissen zu gewährleisten.

Ich würde gerne mal einen Tag tauschen mit…

Ich erinnere mich an den Film und die Geschichte von Prof. Dr. Hauke Trinks (1943–2016), dem ehemaligen TUHH-Präsidenten, als er aus der Spitzbergen zurückkehrte, wo er mit einer ihm unbekannten Engländerin und den hungrigen Eisbären überlebte – zum Vorteil der Chemieforschung und der Evolutionstheorie. Nach bald 10 Ehejahren amüsiert es mich, zu überlegen, was geschähe, wenn ich nur einen einzigen Tag lang mit jenem mutigen und legendären Lehrer tauschen würde, dessen wissenschaftliche und akademische Laufbahn so großartig war.

Was würden Sie einen allwissenden Forscher aus der Zukunft fragen?

Nach den 100 wichtigsten Patenten der kommenden 200 Jahre in den Bereichen industrielle Risiken, Verfahrenstechnik und Materialwissenschaft.

Ihr Lieblingsessen damals in der Mensa?

Alle Gerichte, die für einen Tropenbewohner aus der Karibik ungewöhnlich sind, z.B. Königsberger Klopse, Spargel und Lachs.

Wenn Sie Präsident der TUHH wären…

… wäre ich von vielen begabten Menschen aus aller Welt umgeben und würde eng mit Unternehmen (Branchen und Dienstleister), die für Umweltschutz, Gesundheit und Logistik verantwortlich sind, zusammenarbeiten. Ohne zu zögern würde ich das gesamte Geld, das zur Verfügung stünde, in die Forschung investieren und dafür sorgen, dass Teilergebnisse durch gut strukturierte Patente abgesichert sind. Ich würde mit allen Mitteln Studenten dazu motivieren, innovative und ethische Anwendungen in industriellen Bereichen und im Umweltschutz zu entwickeln.

Marcus Keding


Nationalität: Deutsch
Stadt, Land: Wien, Österreich
Studiengang/Abschluss: Verfahrenstechnik/Dipl. Ing.
Abschlussjahr: 2005
Arbeitgeber und Position: Geschäftsführer Forschung Burgenland

Warum haben Sie sich damals für die TUHH ent­schieden und war das aus heutiger Sicht gut?
Die TUHH hatte damals einen sehr guten Ruf. Hinzu kamen die persönliche Atmosphäre und der sehr ansprechende Campus. Ich habe mich dann mehrere Jahre in der Fachschaft engagiert und noch heute bin ich mit einigen meiner Kommilito­nen in Kontakt. Nur mit der Thermodynamik hatte ich lange Zeit meine Probleme, ich habe die Fächer dann aber schlussendlich gemeistert und war zwei Jahre auch Tutor in dem Bereich – durch das mehr­malige Lernen für Prüfungen kannte ich mich am Schluss wirklich sehr gut aus 😉

Was war Ihre Motivation, dieses Studienfach und diesen Beruf zu wählen?
Die Kombination von Chemie und Maschinenbau fand ich super! Mein Traum war damals schon die Wasserstoffspeicherung für Fahrzeuge zu entwi­ckeln und dafür bot sich einfach die Verfahrens­technik mit der Spezialisierung auf Energietechnik an. Ein wichtiger Meilenstein war dann sicherlich die Arbeit als Hiwi im Institut Apparatebau bei Prof. Jobst Hapke. Hier konnte ich schon früh an sehr spannenden Forschungsprojekten im Bereich der Wasserstoffspeicherung mitarbeiten und dort auch meine Diplomarbeit machen. Diese war auch die Eintrittskarte für meinen Berufseinstieg.

Wo haben Sie in Hamburg / Harburg neben dem Studium am liebsten Ihre Zeit verbracht?
Ich habe mich oft mit Freunden getroffen und wir haben die wenige freie Zeit intensiv genutzt. WG-Feiern, OE-Fahrten und das Inline-Skaten in der Innenstadt sind mir in bester Erinnerung. Es gab dann sogar einen direkten Weg mit Inline-Skates von der Mönckebergstraße bis zur Großen Freiheit 36 zum ‚After-Skate-Bier‘. Und dann war da noch der Elbstrand in Övelgönne mit der Strandperle, den besuche ich heute noch, wenn ich mal wieder in Hamburg bin.

Was ist das Tollste an Ihrem Job?
Der Berufseinstieg in die Automobilindustrie hat nach dem Studium erst mal nicht geklappt, dafür habe ich aber ein spannendes Angebot aus der Weltraumforschung in Wien bekommen – und dort war ich dann tatsächlich für die Entwicklung von Wasserstoffspeichersystemen für Satelliten zuständig. Eine sehr spannende Zeit in der ich sehr viel gelernt habe und auch sehr viel Gestaltungs­spielraum hatte. Später habe ich dann auch die Forschungsgruppe geleitet und weiterentwickelt. Vor fünf Jahren bekam ich dann das Angebot, einen Studiengang an einer FH und parallel dazu die Co-Geschäftsführung der Forschungstochterge­sellschaft zu übernehmen. Ohne meine Zeit an der TUHH hätte ich mir diese Herausforderung sicher nicht zugetraut. Seit einem Jahr bin ich Alleinge­schäftsführer der Forschungsgesellschaft mit über 40 Mitarbeitern. Es war jedenfalls die beste Ent­scheidung, nach dem Studium den Job auszuwäh­len, bei dem ich den meisten Gestaltungsspielraum bekommen habe.

Was nutzen Sie aus dem Studium für Ihren Beruf?
Meine ehemaligen Kommilitonen haben sehr geschmunzelt, als ich ihnen vor fünf Jahren erklärt habe, dass ich wieder im Hörsaal bin, nur dieses Mal als Vortragender. Ich war ja nicht unbedingt der Student, der alle Prüfungen beim ersten Mal bestanden hatte. Heute weiß ich das solide Basis­wissen, welches wir in Hamburg bekommen haben, sehr zu schätzen. Die Thermodynamik ist einfach schwierig und manchmal muss man sie eben zweimal hören, um sie zu verstehen. Dafür gibt es später unzählige Möglichkeiten, wo ich dieses Wissen anwenden kann. Ich habe auch großen Respekt vor der Organisation eines Studienganges und einer Vorlesung. Ich weiß jetzt wie schwierig und langwierig es ist, eine qualitativ hochwertige Vorlesung zu gestalten und einen guten Stunden­plan zu organisieren.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus und welche Kompetenzen brauchen Sie dafür?
Mein Tag fängt immer an der Kaffeemaschine an, dann geht es zu meiner Assistentin und es gilt die anstehenden Meetings zu besprechen und jede Menge Rechnungen zu unterschreiben. Der offene und wertschätzende Umgang, der mir an der TUHH von Seiten der Professoren entgegenge­bracht worden ist, hilft mir sehr beim Umgang mit den Kollegen. Nach dem ersten Gespräch geht’s dann meistens daran, die wichtigsten Emails zu beantworten. Auch hier zählt bei mir die richtige Priorisierung. Ansonsten ist mein Arbeitstag sehr geprägt von Team-Meetings und Besprechungen. Eine strukturierte Selbst-Organisation ist das wichtigste beim Bewältigen von sehr unterschied­lichen Aufgabenstellungen. Darüber hinaus bin ich in verschiedenen Gremien sehr aktiv und auch für die Außenwirkung der Forschungsgesellschaft und die Kommunikation mit unseren Stakeholdern verantwortlich. So eine Pressekonferenz klingt erst mal easy. Wenn man aber da vorne steht und die Journalisten der regionalen Zeitungen und des regionalen TV-Senders Fragen stellen, sollte man einfache Antworten geben können. Improvisation ist dabei auch wichtig, da sich nie jeder an den vorgesehenen Plan hält. Abwechslungsreicher geht es insofern sicher nicht mehr.

Wenn Sie Präsident der TUHH wären…
…würde ich mir zuerst sagen: Marcus, das war jetzt etwas Zuviel des Guten. Als zweiten Schritt würde ich mir überlegen, wer denn besser für den Job geeignet wäre und diesen nominieren. Da ich einen guten Einblick habe in die Aufgaben eines Rektors und eines Geschäftsführers einer Hochschule, kann ich mir nicht vorstellen, dass das irgendwann mal in meinem Lebenslauf stehen könnte. Vor 13 Jahren hätte ich das aber sicher auch über meine jetzige Position gesagt. Insofern schaue ich gleich mal wo ich am besten jetzt mein Doktorat machen kann… 😉