Dr. Lothar Behlau


Nationalität: Deutsch
Stadt, Land: München, Deutschland
Studiengang/Abschluss: Verfahrenstechnik/Dipl. Ing.
Studium: 1982-85
Arbeitgeber und Position: Fraunhofer Gesellschaft, Leiter der Abteilung Agenda Fraunhofer 2022

Er hatte die Matrikelnummer 1 und gehörte 1982 zu den ersten fünf Studierenden der Verfahrens­technik an der TUHH. Für sie fand die Vorlesung auch mal im Büro des Profs statt, einen Campus gab es nicht, die Mensa war die Kantine der benachbarten Steuerbehörde und sie waren in Harburg bekannt wie bunte Hunde.

Dr. Behlau, wie sind Sie überhaupt auf diese neue TU aufmerksam geworden?
1982 wurde die Lehre an der TUHH aufgenom­men, und zwar mit dem Hauptstudium der Ver­fahrenstechnik, das heißt, es mussten ein Uni-Vor­diplom oder adäquate Leistungen vorgewiesen werden. Und da es damals noch kein Internet gab, wurde diese Ankündigung über sehr „normale“ Pressekanäle publiziert. Ich habe davon erfahren, weil in meinem Studentenwohnheim ein Student eine Kurznachricht aus dem Hamburger Abendblatt ausgeschnitten und an die Pinnwand in der Küche geheftet hatte…

Wie war das, die erste Studierendengruppe an der TUHH zu sein? Aufgrund der limitierenden Kriterien gab es nur eine sehr eingeschränkte Zahl von Bewerbern. Das waren meist Absolventen der Fachhochschule Hamburg, denen dann manchmal noch zusätzliche Vorlesungen auferlegt wurden, um ein Äquivalent zum Vordiplom nachzuweisen. Wir fingen also nach einer ersten Auslese mit fünf Studierenden an, nach ein paar Monaten waren wir dann nur vier, die dann alle das Diplom erreichten. Wir fühlten uns nicht als Studierendengruppe, sondern eher als ein etwas exotisches Grüppchen (von FH-Ab­solventen) an einer TU, an der zu 99,7 Prozent geforscht wurde.

Wie war das Studentenleben an und außerhalb der TUHH?
Einen Campus im Sinne eines Areals, auf dem es vor Studierenden wimmelt, gab es natürlich nicht. Es gab das große Hauptge­bäude an der Eißendorfer Straße und eine alte Wäscherei, von der die oberen Räu­me für ein paar Doktoranden angemietet wurden. Unsere „Mensa“ war die Kantine einer Steuerbe­hörde ein paar hundert Meter entfernt. So mussten wir uns hinsichtlich eines studentischen Milieus selbst genügen. Es gab auch keine studentischen Teilnahmen in den Organen der TU. Auf der anderen Seite hatte unsere exotische Situation natürlich auch etwas Gutes: Wir beka­men eine äußerst persönliche Betreuung durch die lehrenden Professoren, die – trotz der geringen Studierendenzahl – sehr motiviert und ernst­haft ihre Vorlesungen gehalten haben. Auch die Assistenten zeigten viel Einsatz bei den Praktika (die sie ja nur wegen uns erfinden mussten). Diese Sonderrolle entschädigte für den Aufenthalt in einer ansonsten lehrleeren TU. Nach einiger Zeit waren wir als Grüppchen dann auch bekannt wie bunte Hunde…

Können Sie sich an die Atmosphäre in Harburg erinnern?
Wie gesagt, an der TU gab es am Anfang kein Studentenleben. Auch als ein Jahr später reguläre Studiengänge starteten, gab es noch keine studen­tische Szene, weder an der TU noch in Harburg, weil die meisten Studierenden auch von überallher pendelten und nur wenige in Harburg wohnten. Und Harburg war damals natürlich keine Uni­versitätsstadt. Ich bin in der Nähe von Hamburg geboren (Pinneberg) und hatte in Bergedorf an der Fachhochschule studiert und auch dort gewohnt und bin später nach Harburg gezogen. Harburg hatte damals eher den Ruf einer Arbeiterstadt. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt, aber es gab natürlich (noch) kein studentisches Milieu. Ich hatte in Nebentätigkeit als Redakteur für die Lokalbeilage des Hamburger Abendblattes über die TU-Entwicklung berichtet (u.a. später auch in einer Fortsetzungsreihe erklärt, was die neu aufgenom­menen Studiengänge Verfahrenstechnik, Städte­bau, Maschinenbau beinhalteten). Man hatte in Harburg durchaus einige Vorbe­halte, was die TU dem Ort bringen würde. Auch Kneipenbesitzer hatte ich interviewt, ob sie denn froh wären, wenn hier bald viele Studierenden leben würden… das konnten sie sich damals nicht vorstellen. Ich hoffe, das hat sich inzwischen geändert… Aber natürlich gab es in Harburg alles, was ein Studierender braucht, billige Wohnungen, Kneipen, guten Verkehrsanschluss nach Hamburg etc. Ich war froh, auch diesen Teil von Hamburg kennenge­lernt zu haben.

Was nutzen Sie aus dem Studium für Ihren Beruf?
Die Verfahrenstechnik-Ausbildung war aus meiner heutigen Sicht exzellent. Trotz des kleinen Se­mesters hatten die Professoren das Ziel, für die TUHH einen hohen Standard zu setzen. Heute bin ich im Bereich des Forschungsmanagements tätig und brauche immer wieder auch profunde Ingenieurkenntnisse aus dieser Zeit zur Beurteilung von Forschungsprojekten. Zum Glück vermittelt die Verfahrenstechnik ein breites Verständnis der Natur- und Ingenieurwissenschaften. Die damalige hohe Intensität der Betreuung hat durchaus Spuren hinterlassen, weil man eben zu dritt oder viert permanent aufmerksam sein musste.

Wie müssen sich Ihrer Meinung nach die Tech­nischen Universitäten in Zukunft aufstellen?
Neben dem soliden Kompetenzaufbau in einer Dis­ziplin sollte besonders die Vernetzungsfähigkeit mit anderen Disziplinen bereits während des Studiums geübt werden. Als Studierender über­blickt man mit einem TU-Studium einen immer klei­neren Teil des Gesamtsystems und deshalb muss die Anschlussfähigkeit mit anderen Disziplinen auf­gebaut werden (auch mit den Gesellschaftswissen­schaften). Diese Methodenkompetenz ist teilweise genauso wichtig wie die originäre Fachkompetenz.

Die TUs sollten ihren Beitrag und ihre Verantwor­tung für die Gesellschaft deutlich machen: Inwie­fern trägt eine TU mit ihrer Lehre und vor allem ihrer aktuellen Forschung direkt zu den drängends­ten Problemen der Menschheit bei? Diese Sinn­stiftung sollte Teil der internen Diskussion an jeder TU sein. Ein Nachhaltigkeitsbericht wäre dafür ein erster Schritt.

Marcus Keding


Nationalität: Deutsch
Stadt, Land: Wien, Österreich
Studiengang/Abschluss: Verfahrenstechnik/Dipl. Ing.
Abschlussjahr: 2005
Arbeitgeber und Position: Geschäftsführer Forschung Burgenland

Warum haben Sie sich damals für die TUHH ent­schieden und war das aus heutiger Sicht gut?
Die TUHH hatte damals einen sehr guten Ruf. Hinzu kamen die persönliche Atmosphäre und der sehr ansprechende Campus. Ich habe mich dann mehrere Jahre in der Fachschaft engagiert und noch heute bin ich mit einigen meiner Kommilito­nen in Kontakt. Nur mit der Thermodynamik hatte ich lange Zeit meine Probleme, ich habe die Fächer dann aber schlussendlich gemeistert und war zwei Jahre auch Tutor in dem Bereich – durch das mehr­malige Lernen für Prüfungen kannte ich mich am Schluss wirklich sehr gut aus 😉

Was war Ihre Motivation, dieses Studienfach und diesen Beruf zu wählen?
Die Kombination von Chemie und Maschinenbau fand ich super! Mein Traum war damals schon die Wasserstoffspeicherung für Fahrzeuge zu entwi­ckeln und dafür bot sich einfach die Verfahrens­technik mit der Spezialisierung auf Energietechnik an. Ein wichtiger Meilenstein war dann sicherlich die Arbeit als Hiwi im Institut Apparatebau bei Prof. Jobst Hapke. Hier konnte ich schon früh an sehr spannenden Forschungsprojekten im Bereich der Wasserstoffspeicherung mitarbeiten und dort auch meine Diplomarbeit machen. Diese war auch die Eintrittskarte für meinen Berufseinstieg.

Wo haben Sie in Hamburg / Harburg neben dem Studium am liebsten Ihre Zeit verbracht?
Ich habe mich oft mit Freunden getroffen und wir haben die wenige freie Zeit intensiv genutzt. WG-Feiern, OE-Fahrten und das Inline-Skaten in der Innenstadt sind mir in bester Erinnerung. Es gab dann sogar einen direkten Weg mit Inline-Skates von der Mönckebergstraße bis zur Großen Freiheit 36 zum ‚After-Skate-Bier‘. Und dann war da noch der Elbstrand in Övelgönne mit der Strandperle, den besuche ich heute noch, wenn ich mal wieder in Hamburg bin.

Was ist das Tollste an Ihrem Job?
Der Berufseinstieg in die Automobilindustrie hat nach dem Studium erst mal nicht geklappt, dafür habe ich aber ein spannendes Angebot aus der Weltraumforschung in Wien bekommen – und dort war ich dann tatsächlich für die Entwicklung von Wasserstoffspeichersystemen für Satelliten zuständig. Eine sehr spannende Zeit in der ich sehr viel gelernt habe und auch sehr viel Gestaltungs­spielraum hatte. Später habe ich dann auch die Forschungsgruppe geleitet und weiterentwickelt. Vor fünf Jahren bekam ich dann das Angebot, einen Studiengang an einer FH und parallel dazu die Co-Geschäftsführung der Forschungstochterge­sellschaft zu übernehmen. Ohne meine Zeit an der TUHH hätte ich mir diese Herausforderung sicher nicht zugetraut. Seit einem Jahr bin ich Alleinge­schäftsführer der Forschungsgesellschaft mit über 40 Mitarbeitern. Es war jedenfalls die beste Ent­scheidung, nach dem Studium den Job auszuwäh­len, bei dem ich den meisten Gestaltungsspielraum bekommen habe.

Was nutzen Sie aus dem Studium für Ihren Beruf?
Meine ehemaligen Kommilitonen haben sehr geschmunzelt, als ich ihnen vor fünf Jahren erklärt habe, dass ich wieder im Hörsaal bin, nur dieses Mal als Vortragender. Ich war ja nicht unbedingt der Student, der alle Prüfungen beim ersten Mal bestanden hatte. Heute weiß ich das solide Basis­wissen, welches wir in Hamburg bekommen haben, sehr zu schätzen. Die Thermodynamik ist einfach schwierig und manchmal muss man sie eben zweimal hören, um sie zu verstehen. Dafür gibt es später unzählige Möglichkeiten, wo ich dieses Wissen anwenden kann. Ich habe auch großen Respekt vor der Organisation eines Studienganges und einer Vorlesung. Ich weiß jetzt wie schwierig und langwierig es ist, eine qualitativ hochwertige Vorlesung zu gestalten und einen guten Stunden­plan zu organisieren.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus und welche Kompetenzen brauchen Sie dafür?
Mein Tag fängt immer an der Kaffeemaschine an, dann geht es zu meiner Assistentin und es gilt die anstehenden Meetings zu besprechen und jede Menge Rechnungen zu unterschreiben. Der offene und wertschätzende Umgang, der mir an der TUHH von Seiten der Professoren entgegenge­bracht worden ist, hilft mir sehr beim Umgang mit den Kollegen. Nach dem ersten Gespräch geht’s dann meistens daran, die wichtigsten Emails zu beantworten. Auch hier zählt bei mir die richtige Priorisierung. Ansonsten ist mein Arbeitstag sehr geprägt von Team-Meetings und Besprechungen. Eine strukturierte Selbst-Organisation ist das wichtigste beim Bewältigen von sehr unterschied­lichen Aufgabenstellungen. Darüber hinaus bin ich in verschiedenen Gremien sehr aktiv und auch für die Außenwirkung der Forschungsgesellschaft und die Kommunikation mit unseren Stakeholdern verantwortlich. So eine Pressekonferenz klingt erst mal easy. Wenn man aber da vorne steht und die Journalisten der regionalen Zeitungen und des regionalen TV-Senders Fragen stellen, sollte man einfache Antworten geben können. Improvisation ist dabei auch wichtig, da sich nie jeder an den vorgesehenen Plan hält. Abwechslungsreicher geht es insofern sicher nicht mehr.

Wenn Sie Präsident der TUHH wären…
…würde ich mir zuerst sagen: Marcus, das war jetzt etwas Zuviel des Guten. Als zweiten Schritt würde ich mir überlegen, wer denn besser für den Job geeignet wäre und diesen nominieren. Da ich einen guten Einblick habe in die Aufgaben eines Rektors und eines Geschäftsführers einer Hochschule, kann ich mir nicht vorstellen, dass das irgendwann mal in meinem Lebenslauf stehen könnte. Vor 13 Jahren hätte ich das aber sicher auch über meine jetzige Position gesagt. Insofern schaue ich gleich mal wo ich am besten jetzt mein Doktorat machen kann… 😉

Francis Bouchard


Nationalität: Französisch
Stadt, Land: Toulouse, Frankreich
Studiengang, Ab­schluss: Elektrotechnik – Tech­nische Informatik / Diplom
Abschlussjahr: 1999
Arbeitgeber und Position: Airbus in Toulouse – Head of A350 Cabin & Cargo Chief Engineering

Sie sind Präsident unseres Alumni Chapters in Toulouse, was reizt Sie an dieser Aufgabe?
Ich bin sehr stolz, zusammen mit dem Alum­ni-Team dieses neue Chapter in Toulouse gegrün­det zu haben. Unser gemeinsames Ziel ist, das internationale Alumni-Netzwerk zu vergrößern und die Verbindung der Alumni in Süd-West Frankreich mit der TUHH zu verstärken. Diese natürliche Verbindung zwischen Toulouse und Hamburg erlebe ich schon jeden Tag bei Airbus, einer der größten Arbeitgeber von TUHH-Absolventen: Viele Deutsche leben in Toulouse und der Airbus-Shuttle verbindet täglich die beiden Standorte. Ich freue mich auf die neue Aufgabe.

Was war für Sie in der Zeit an der TUHH ein un­vergessliches Erlebnis? Ich habe so viele gute Erinnerungen! Wir wa­ren eine kleine Truppe aus der ganzen Welt und haben in der Bibliothek zusammen die Prüfungen vorbereitet. Damals haben wir das Internet mit den SUN Workstations entdeckt und gestaunt, als wir in hoher Auflösung und live die ersten Bilder von Mars Pathfinder gesehen haben. Was auch Spaß gemacht hat, war die Sprachen AG mit einigen Freunden zu gründen, um Englisch-, Französisch-und Chinesisch-Unterricht zu organisieren. Gibt es die noch? Die Vorlesungen waren alle auf Deutsch, was am Anfang gar nicht so einfach, aber im Nachhinein eine Chance war. Ich konnte die Mikroelektronik Vorlesungen vom berühmten sächsischen Profes­sor Reinhold Paul im Audimax überhaupt nicht verstehen! Gott sei Dank waren meine deutschen Freunde sehr hilfsbereit. Ich möchte mich heute bei ihnen und aber auch bei Professor Otto Lange bedanken, der mir viel Vertrauen gegeben hat.

Was ist das Tollste an Ihrem Job?
Ich führe die Entwicklung der Airbus A350 Passagierkabine. Diese muss beim gleichen Komfort noch mehr Passagiere transpor­tieren und gleichzeitig immer leichter werden. Es ist eine tolle Herausforderung dieses Multi-Mil­lionen Projekt mit vielen Ingenieurinnen und Ingenieuren aus Europa zusammen zu führen: In der Kommunikation zwischen den verschiedenen Kulturen kann ich oft unterstützen. Die Ingenieure haben meistens gute Ideen, aber Schwierigkeiten, sie an das Management einer anderen Kultur zu verkaufen und sie denken manchmal zu wenig an die wirtschaftlichen Herausforderungen. Im meinem Job geht es darum zu entscheiden, welche Ideen Sinn machen um das Management dann zu überzeugen, dass sie damit auch ein Business Case haben und die Kundenerwartungen erfüllen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus?
In einem typischen Arbeitstag verbringe ich sechs bis acht Stunden in Webex und Meetings mit vielen deutschen und französischen Ingenieurinnen und Ingenieuren. Ich bekomme dazu ungefähr einhundert E-Mails und muss schnell entscheiden, was wichtig und dringend ist und was warten oder delegiert werden kann. Ich fliege noch ein bis zwei Mal im Monat nach Hamburg und muss ab und zu Kunden (Airlines) oder Lieferanten besuchen. Die Kompetenzen, die ich dafür am meisten brauche, sind gute Kommunikations- und Analysefähigkei­ten, Belastbarkeit und Ausdauer.

Ich würde gerne mal einen Tag tauschen mit …
…meinem CEO Tom Enders.

Was würden Sie einen allwissenden Forscher aus der Zukunft fragen? Wohin führt uns die Entwicklung der künstlichen Intelligenz? Was macht die Masse der Menschen in der Welt autonomer Roboter? Wie können wir die Klimaerwärmung stoppen und gleichzeitig die Bedürfnisse der Menschheit nach mehr Wohl­stand und Mobilität befriedigen, ohne die Erde zu plündern?

Wenn Sie Präsident der TUHH wären…
Meine Themen wären KI-Anwendungen, Batterie der Zukunft und Energienetzwerke. Als überzeugter Europäer würde ich auch die Verbindungen mit europäischen und insbesondere französischen Hochschulen intensivieren: Zusam­men können wir viel bewegen und hohe Stan­dards setzten.

Martin Brücher


Nationalität: Deutsch
Stadt, Land: Hamburg, Deutschland
Studiengang, Abschluss: Internationales Wirtschafts­ingenieurwesen (M.Sc.)
Abschlussjahr: 2009
Arbeitgeber und Position / Name des Startups: Mitgründer und Geschäftsführer von FASHION CLOUD

Warum haben Sie sich damals für die TUHH ent­schieden und war das aus heutiger Sicht gut?
Ich fand die internationale Ausrichtung der TUHH und speziell die meines Studiengangs ex­trem attraktiv. Bei Projektarbeiten und Seminaren durften wir mit Studierenden aus der ganzen Welt arbeiten. Ich hab die Wahl nie bereut und bin jeden Tag glücklich, durch die TU nach Hamburg gekommen zu sein.

Was war Ihre Motivation, dieses Studienfach zu wählen?
Ich hatte immer schon zwei Herzen in meiner Brust: Auf der einen Seite fasziniert vom technischen Fortschritt und auf der anderen interessiert an den betriebswirtschaftlichen Abläufen in Unternehmen. Da ist Wirtschaftsingenieurwesen dann wohl die perfekte Wahl.

Wann kamen Sie auf die Idee, Ihr eigenes Unter­nehmen zu gründen? Das Talent zum Verkaufen und Handeln habe ich früh auf eBay entdeckt. Der Wunsch, eines Tages für ein Startup zu arbeiten kam in diversen „Bu­siness Planning“-Vorlesungen auf und hat sich in einem Auslandssemester in Kalifornien verfestigt.

Die wichtigsten Facts zu Ihrem Startup …
Gut zwei Jahre alt. 20 Mitarbeiter. Wir helfen lokalen Modehändlern bei der Digitalisierung. Wir bieten dazu derzeit zwei Produkte an: Eine Online-Plattform mit Bildmaterial von mittlerwei­le mehr als 250 Modemarken (dieses nutzen die Händler für ihr Marketing, ihre Webshops usw.). Außerdem eine mobile App, mit der ein Mode­händler prüft, ob ein gewisser Artikel noch bei seinem Lieferanten vorrätig ist und er diesen dann über die App direkt nachbestellen kann.

Was ist das Beste an Ihrem Job?
Die Arbeitsatmosphäre bei FASHION CLOUD. Ich gehe da jeden Tag mit riesiger Vorfreude hin. Die Leute haben allesamt richtig Lust, etwas Großes zu bewegen.

Was nutzen Sie aus dem Studium für Ihren Beruf?
Klingt abgedroschen, aber in erster Linie das Netzwerk, das ich mir in den zwei Jahren damals aufgebaut habe.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus und welche Kompetenzen brauchen Sie dafür?
Eine bunte Mischung aus Besprechungen mit Kollegen, Kundenterminen, Interviews mit Bewer­bern, Basteln von Excel-Tapeten und Bearbeiten von E-Mails. Ich denke mit einer gut strukturierten Arbeitsweise, einer Portion Empathie, jeder Menge Neugier und viel gesundem Menschenver­stand ist man gut ausgestattet für das Leben in einem Startup.

Was sollten (zukünftige) Gründerinnen und Gründer Ihrer Meinung nach unbedingt beachten?
Lernt so früh wie möglich, eurem Bauchgefühl zu vertrauen. Man kann viele Dinge planen und noch so gut durchdenken aber bei der Vielzahl an Entscheidungen, die als Gründer oder Gründerin auf dich zukommen, ist deine Intuition die wichtigste Begleiterin.

Wenn Sie Präsident der TUHH wären …
… würde ich in den Lehrplänen etwas mehr Raum für fachfremde Seminare wie beispielsweise „Literatur und Kultur“ (von Bertrand Schütz) schaffen. An alle halbwegs literaturinteressierten Studierenden: Das ist ein absoluter Geheimtipp!

Ernesto Riestra Martínez


Nationalität: Mexikanisch
Stadt, Land: Mexiko Stadt, Mexiko
Studiengang, Abschluss: M.Sc. Mechatronics
Abschlussjahr: 2001
Arbeitgeber / Name des Startups und Position: Metagraphos, Technischer Direktor (CTO) und Gründer

Warum haben Sie sich damals für die TUHH ent­schieden und war das aus heutiger Sicht gut?
Ich hatte immer ein Interesse an Programmierung, obwohl ich meinen Bachelor in Maschinenbau absolviert habe. Also war es für mich klar, dass das Masterprogramm beides miteinander kombi­nieren sollte. Für mich ergänzt Mechatronik die physikalische Hardware von rein mechanischen Geräten genauso wie Intelligenz unsere biologische Essenz erweitert. Als Menschen unterscheiden wir uns nicht wesentlich von anderen Tieren hinsicht­lich der physischen „Hardware“, aber es ist das Gehirn, also die „Software“, die uns erstaunliche Möglichkeiten eröffnet. Durch Software können wir mechanische Systeme dazu bringen, sich auf erstaunliche Weise zu verhalten.

Wo arbeiten Sie heute und nutzen Sie die an der TUHH erlernten Kenntnisse?
Ich bin Gründer und Technischer Direktor (CTO) von Metagraphos, einem seit sieben Jahren bestehenden Unternehmen, das Bildungstechnolo­gien anbietet, beispielsweise zur Entwicklung von Trainings-/Schulungsinhalten und für Online- Learning-Modelle. Derzeit arbeite ich mit Virtual- Reality-Systemen, die im Trainingsbereich einge­setzt werden sollen. Das erfordert sehr spezifisches Wissen. Hierbei greife ich auf Kenntnisse zurück, die ich mir an der TUHH angeeignet habe. Aber am meisten haben mir nicht das Wissen über bestimmte Modelle oder Algorithmen aus meiner TUHH-Zeit weitergeholfen, sondern die sogenann­te Ingenieursdenke und eine bestimmte Art an Problemlösungen heranzugehen. Das ist das, was mir immer am meisten geholfen hat.

Die wichtigsten Facts zu Ihrem Startup …
Metagraphos ist ein durch und durch digitales Un­ternehmen. Wir sind sehr klein, haben rund sieben Vollzeit-Teammitglieder. Wir haben aber auch viele Teilzeitkollegen, die tagsüber einer anderen Arbeit nachgehen und dann nachts für uns aktiv werden. Präsenzzeiten sind bei uns auf ein Mini­mum heruntergeschraubt. Das Unternehmen ist sehr aktiv in den Bereichen Internet-/Online-Learning sowie Virtual Reality für den Ausbildungs-/Trainingsbereich. Wir haben auch unsere eigenen Trainings-Plattformen, wie beispielsweise ‚yeira‘.

Was gefällt Ihnen am besten an Ihrem Job?
Die Family-Work-Balance, die allen Teammitglie­dern zu Gute kommt, und die Möglichkeit an groß­artigen Ideen arbeiten zu können und die Freiheit zu haben, diese zu ergründen und ein neues Kon­zept oder eine Lösung dafür zu erarbeiten. Zudem haben wir das Glück, dass wir unser Unternehmen mit einem sehr schlanken Entscheidungsgremium steuern. Wir haben uns bei unserem Startup für das sogenannte ‚bootstrapping‘-Modell entschieden. Wir finanzieren unser Startup also ohne externe Investoren. Das heißt auch, dass unser Unterneh­men sehr sensibel auf finanzielle Fragen reagiert und wir genötigt sind, die Ausgaben jeden Tag aufs Neue zu priorisieren und zu hinterfragen. Wir kön­nen aber dadurch auch schnell auf Veränderungen reagieren und unseren Kurs dementsprechend an­passen – ohne Investoren oder Aktionäre zunächst davon überzeugen zu müssen.

Was sollten (zukünftige) Gründerinnen und Grün­der Ihrer Meinung nach unbedingt beachten?
Der erste Schritt ist, sich ein Netzwerk aus Freunden und Familie zur Unterstützung beim Gründungsprozess aufzubauen bzw. zu festigen. Darüber hinaus sollte man so früh wie möglich versuchen, die eigenen Ideen am Markt zu testen – und sei es nur bei einem einzigen Kunden. Vorher kann man nicht wissen, ob die eigene Idee funktio­niert. Wann immer man nicht mit dem Ausbau des eigenen Services oder Produktangebotes beschäftig ist, sollte man etwas Neues lernen. Und finden Sie einen Mitbegründer, der mit Ihnen das „warum“ teilt und nicht unbedingt das „was“ oder „wie“.

Johannes Weber


Nationalität: Deutsch
Stadt, Land: Hamburg, Deutschland
Studiengang, Abschluss: M.Sc. International Produc­tion Management (TUHH), MBA Technology Manage­ment (NIT)
Abschlussjahr: 2014
Arbeitgeber und Position: Gründer und Geschäftsführer bentekk GmbH, seit März 2017 eine Tochtergesellschaft der Dräger Safety AG & Co. KGaA

Warum haben Sie sich damals für die TUHH / das NIT entschieden und war das aus heutiger Sicht gut?
Ich war von der Idee eines Doppelstudiums mit internationalen Studierenden in kleinen Gruppen begeistert. Der Thomas J.C. & Angelika Matzen Stiftung bin ich rückblickend sehr dankbar, die über ein Stipendium meine Studiengebühren über­nommen hat. Ich würde mich nochmal genauso entscheiden und kann jedem empfehlen, sich über die vielfältigen Möglichkeiten an TUHH und NIT zu informieren.

Was war Ihre Motivation, dieses Studienfach zu wählen?
Die Kombination aus ingenieurwissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Fächern spiegelte meine Interessen wieder und eröffnete später große Gestaltungsmöglichkeiten. Nachdem ich ein Bachelor-Programm an einer sehr viel größeren Universität mit überwiegend Frontalunterricht ab­geschlossen hatte, reizte mich das Curriculum mit vielen Übungen, Fallstudien, Präsentation

Wann und warum kamen Sie auf die Idee, Ihr eigenes Unternehmen zu gründen?
Formal gegründet haben wir die bentekk GmbH im November 2014 auf Basis von Forschungser­gebnissen. Wir waren früh davon überzeugt, dass unsere Technologie einen starken Nutzen für den Arbeitsschutz in der Industrie schaffen wird. Mein Mitgründer Matthias Schmittmann und ich sind zudem Persönlichkeiten, die gerne etwas Eigenes aufbauen wollten. Im richtigen Moment kam alles zusammen.

Die wichtigsten Facts zu Ihrem Startup …
Bentekk entwickelt tragbare Gasmesstechnik für die Bestimmung von Gefahrstoffkonzentrationen in der Umgebungsluft. Seit Anfang 2016 sind unsere Produkte in Deutschland auf dem Markt und erfreuen sich zunehmender Beliebtheit in der Öl-, Gas- und chemischen Industrie. In 2017 hat die Firma Dräger aus Lübeck die Mehrheit an unserem Unternehmen übernommen, um gemeinsam wei­teres Wachstum zu ermöglichen.

Was ist das Beste an Ihrem Job?
Ich kann relevante Entscheidungen sofort treffen und direkt gemeinsam mit meinem Team umset­zen. Die Sichtbarkeit dieser Umsetzung ist zeitnah beispielsweise an unseren Produkten zu sehen. Diese Geschwindigkeit motiviert uns jeden Tag.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus?
Kein Tag gleicht dem anderen. Eine Besprechung mit unseren Softwareentwicklern, ein Vertriebs­termin bei einer Raffinerie, ein Bewerbungsge­spräch mit einem Studenten, eine Abstimmung mit unserem Steuerberater, die Erstellung einer Präsentation für das geschärfte Produktkonzept und ungezählte E-Mails finden beispielsweise an einem Tag statt.

Was sollten (zukünftige) Gründerinnen und Grün­der Ihrer Meinung nach unbedingt beachten?
Eine Gründung ist ein Prozess mit vielen kleinen Entscheidungen, die ab und an korrigiert werden müssen. Zwei Themen sollten aber von Anfang an sicher sein. 1. Es besteht ein Bedarf, für dessen Deckung Kunden bereit sind zu zahlen. 2. Es besteht die Bereitschaft im Gründerteam, über viele Jahre zusammenzustehen.

Wenn Sie Präsident der TUHH wären …
… würde ich neue Studiengänge im Bereich In­formatik, Entrepreneurship und Online Marketing aufsetzen, um die dringend benötigten Fachkräfte für die Digitalisierung der Industrie in Deutschland auszubilden.

Roman Gottschalk


Nationalität: Deutsch
Stadt, Land: Lübeck, Deutschland
Studiengang, Abschluss: duales Studium Maschinen­bau; Fachrichtung Produktentwicklung, Werkstoffe und Produktion, M.Sc.
Abschlussjahr: 2015
Arbeitgeber und Position: Nordischer Maschinenbau Rud. Baader GmbH + Co. KG., Entwicklungsingenieur Fisch-Verarbeitungsmaschinen

Warum haben Sie sich damals für die TUHH ent­schieden und war das aus heutiger Sicht gut?
Ich wollte damals unbedingt ein duales Studium absolvieren, da ich von einem Freund, der ein duales Studium bei der BASF absolviert hatte, hörte, dass so das erlernte Wissen bereits während des Studiums praktisch angewendet werden kann. Außerdem wollte ich gerne an einer Universität studieren, um die bestmögliche Ausbildung zu bekommen. Diese interessante Kombination gab es damals an der TUHH in Verbindung mit der Firma Baader. Auch aus heutiger Sicht war die Teilnah­me an dual@TUHH sehr gut. Fachlich hat mich das Studium sehr gut auf mein jetziges Berufsle­ben vorbereitet. Außerdem konnte ich durch das Austausch-Programm der TUHH mit der University of Waterloo in Kanada unvergessliche Auslandser­fahrungen sammeln, die meinen sprachlichen und kulturellen Horizont erweitert haben.

Was war Ihre Motivation dieses Studienfach und diesen Beruf zu wählen?
Ich habe als Kind viel mit Lego gespielt, später dann mit Lego Technik und Lego Mindstorms. Da habe ich gemerkt, wie viel Spaß es mir macht, neue Maschinen zu bauen und diese dann auch durch die Programmierung zum Leben zu erwecken. Zudem hat mich der Gedanke gereizt, die theore­tischen Kenntnisse der TUHH mit der Praxis aus einem Partnerunternehmen verzahnen zu können. Deswegen war ziemlich früh für mich klar, dass ich Ingenieur im klassischen Maschinenbau werden möchte.

Was ist das Tollste an Ihrem Job?
Am tollsten finde ich, dass ich an der gesamten Entwicklung einer neuen Maschine selbst mitwir­ken kann: von der Konzeptphase und Konstruktion am Schreibtisch über das Testen der Versuchs­maschine in der Versuchswerkstatt bis hin zur Erprobung des Prototyps vor Ort beim Kunden zum Beispiel in Norwegen oder Schottland. Diese Reisen sind zwar oft sehr anstrengend, aber ich lerne unglaublich viel vor Ort und es ist ein tolles Gefühl, wenn der Kunde mit der neuen Maschine zufrieden ist.

Was nutzen Sie aus dem Studium für Ihren Beruf?
Je nachdem, um welche Komponenten oder Baugruppen es in der Entwicklung gerade geht, nutze ich unterschiedliche Dinge aus dem Studi­um. Meine Kenntnisse aus dem Bereich Mechanik und Konstruktionslehre wende ich häufig an, weil zum Beispiel unsere Filetiermaschinen sehr viele mechanische Baugruppen enthalten. Aber auch mit Automatisierungstechnik, Fluidtechnik, Sensorik oder FEM-Analysen habe ich mich schon während des Studiums intensiv im Unternehmen beschäftigt und benötige dieses Wissen nun regelmäßig.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus und welche Kompetenzen brauchen Sie dafür?
Ich bin derzeit Projektleiter und Konstruktions­verantwortlicher für die Weiterentwicklung einer Fisch-Verarbeitungsmaschine. Somit muss ich einerseits die mechanischen Baugruppen der Maschine entwickeln und testen, aber ich darf andererseits den Blick für das große Ganze nicht verlieren und muss dafür Sorge tragen, dass auch die anderen Teammitglieder ihre Aufgaben optimal erledigen können. Zudem bin ich derzeit oft auf Reisen, um neu entwickelte Maschinenfunktionen vor Ort beim Kunden zu testen. Da ist es manch­mal nicht ganz einfach, alles unter einen Hut zu bekommen, aber es macht trotzdem sehr viel Spaß.

Wenn Sie Präsident der TUHH wären…
…würde ich auf jeden Fall das duale Studium an der TUHH weiter ausbauen.