Hugo Pernía

Name, Vorname: Pernía Arellano, Hugo
Nationalität: Venezolaner
Stadt, Land: Caracas, Venezuela
Studiengang: International Production Management (IPM) Master
Position, Arbeitgeber: Schadensreguliere bei Miller International

Sie sind Präsident unseres Alumni Chapter in Caracas, was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Ich habe die Aufgabe gerne übernommen, alle Venezolaner zusammenzubringen, die an einer Fakultät oder einem Institut der TUHH studiert und geforscht haben. Ich wünsche mir sehr, dass die Verbindungen zwischen unseren beiden Ländern verbessert werden – besonders in den Bereichen, in denen wir tätig sind. Außerdem ist es eine Freude, mit unterschiedlichen Generationen in Verbindung zu sein, die in den letzten 40 Jahren eine akademische oder  wissenschaftliche Ausbildung an der TUHH absolviert haben..

Was war für Sie in der Zeit an der TUHH ein unvergessliches Erlebnis?

Dass wir ausländischen Master-Studierenden am ersten Unterrichtstag im Audimax vom  damaligen TUHH-Präsidenten Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Christian Nedeß empfangen wurden, der sich eindeutig zum Frieden und zum Fortschritt der Wissenschaft, der angewandten Technologien und zum Humanismus bekannte. Das war im Oktober 2001, kurz nach dem 11. September 2001. Der TUHH-Präsident formulierte diese couragierte Antwort, die damals erforderlich war. Es war gut, als damals junger Student aus einem weit entfernten Land diese Botschaft vom TUHH-Präsidenten persönlich zu hören.

Was nutzen Sie aus dem Studium für Ihren Beruf?

Im Beruf schätze ich mich glücklich, einen Großteil des im Produktionsmanagement-Programm der TUHH Erlernten anwenden zu können, besonders in den Bereichen Materialwissenschaft (Hochleistungskeramik, Polymere & Verbundwerkstoffe), Zuverlässigkeit in der Konstruktion von Maschinen und Ersatzteilen (Zuverlässigkeitstechnik), Design technischer Teile (Produktplanung und Entwicklung), Fabrikdesign (Organisation des Produktionsprozesses), Technikfolgenabschätzung, Innovationsmanagement usw. Erwähnen muss ich die einzigen Fächer, die für meine Arbeit nicht von Belang sind: die Kompetenzen in Transaktionsverarbeitung, Unternehmenssoftware (SAP) und Internationaler Gesetzgebung – es sind aber sehr gute Lehrveranstaltungen, die Bestandteile des Lehrplans waren.

Was ist das Tollste an Ihrem Job?

Für diejenigen von uns, die in einem Bereich der Industriellen Risiken tätig sind, schließt unsere Arbeit Reisen fast überall auf dem amerikanischen Kontinent mit ein. Wir erhalten viele Kenntnisse sehr unterschiedlicher und vielseitiger Produktionsprozesse (von denen die meisten Technologien „Made in Germany“ anwenden) und treffen sehr unterschiedliche Menschen .

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus und welche Kompetenzen brauchen Sie dafür?

Unsere Arbeit fängt meist nach einem Unglück oder nach hohen wirtschaftlichen Verlusten an. Wir sind für Kunden (Rückversicherer) aus ganz Lateinamerika tätig. Wir helfen außerdem bei der Organisation von Notfallreparaturen oder Geschäftsräumen und beraten bei der Gewährleistung der Sicherheit vor Ort, um weitere Verluste zu verhindern. Meine Arbeit ist ein Rund-um-die-Uhr-Service für den internationalen Markt.

Der Schadensregulierer spielt in der Schadensbearbeitung eine entscheidende Rolle. Um Schadensregulierer zu werden, hilft ein Hochschulabschluss in Bau-, Vermessungs- oder Ingenieurwesen und im Risikomanagement, aber Erfahrung mit komplexen Branchen ist ein wichtiger Faktor, um solides Fachwissen zu gewährleisten.

Ich würde gerne mal einen Tag tauschen mit…

Ich erinnere mich an den Film und die Geschichte von Prof. Dr. Hauke Trinks (1943–2016), dem ehemaligen TUHH-Präsidenten, als er aus der Spitzbergen zurückkehrte, wo er mit einer ihm unbekannten Engländerin und den hungrigen Eisbären überlebte – zum Vorteil der Chemieforschung und der Evolutionstheorie. Nach bald 10 Ehejahren amüsiert es mich, zu überlegen, was geschähe, wenn ich nur einen einzigen Tag lang mit jenem mutigen und legendären Lehrer tauschen würde, dessen wissenschaftliche und akademische Laufbahn so großartig war.

Was würden Sie einen allwissenden Forscher aus der Zukunft fragen?

Nach den 100 wichtigsten Patenten der kommenden 200 Jahre in den Bereichen industrielle Risiken, Verfahrenstechnik und Materialwissenschaft.

Ihr Lieblingsessen damals in der Mensa?

Alle Gerichte, die für einen Tropenbewohner aus der Karibik ungewöhnlich sind, z.B. Königsberger Klopse, Spargel und Lachs.

Wenn Sie Präsident der TUHH wären…

… wäre ich von vielen begabten Menschen aus aller Welt umgeben und würde eng mit Unternehmen (Branchen und Dienstleister), die für Umweltschutz, Gesundheit und Logistik verantwortlich sind, zusammenarbeiten. Ohne zu zögern würde ich das gesamte Geld, das zur Verfügung stünde, in die Forschung investieren und dafür sorgen, dass Teilergebnisse durch gut strukturierte Patente abgesichert sind. Ich würde mit allen Mitteln Studenten dazu motivieren, innovative und ethische Anwendungen in industriellen Bereichen und im Umweltschutz zu entwickeln.

Dr.-Ing. Jan Biermann

Nationalität: Deutsch
Stadt, Land: München, Deutschland
Studiengang, Abschluss: Theoretischer Maschinenbau (Dipl.-Ing), Maschinenbau (Dr.-Ing.)
Abschlussjahr: Dipl.-Ing.: 2005, Dr.-Ing.: 2012
Arbeitgeber, Position: BMW Group, Spezialist Entwicklung (Akustik und Schwingungen)

Was war für Sie in der Zeit an der TUHH ein unvergessliches Erlebnis?
Die sicherlich größte und schönste persönliche Erfahrung war das Jahr an der University of Waterloo in Kanada, welches mir durch das Austauschprogramm an der TUHH ermöglicht wurde. Aber ich werde auch nie das Lernen für meine allererste Klausur an der TU (Mathe 1) vergessen. Bis dahin war es für mich immer ausreichend dem Lehrer zuzuhören und hatte es dann irgendwie verstanden und behalten. An der TU realisierte ich, dass das nicht mehr funktioniert und ich musste lernen zu lernen. Das war eine anfangs harte, aber im Nachhinein schöne persönliche Erfahrung.

Was nutzen Sie aus dem Studium für Ihren Beruf?
Das würde ich mit antrainierter „Ingenieursdenke“ beantworten. Im Studium denkt man, dass die konkreten Inhalte wichtig sind. Was aber am wichtigsten ist und wobei das Studium sicher geholfen hat ist die Fähigkeit, sich schnell in neue und durchaus komplexe Sachverhalte einzuarbeiten und bei Problemlösungen einen ingenieurstechnischen Denkansatz zu verwenden, welcher sich teils massiv von anderen Disziplinen unterscheidet.

Was ist das Tollste an Ihrem Job?
Zum einen arbeite ich an einem schönen und emotionalisierenden Produkt. Das hilft der Motivation. Zum anderen bewege ich mich in einem großen und sehr internationalen Unternehmen. Das hat auch seine Nachteile, aber die Komplexität der Organisation, der Prozesse und letztlich auch der technischen Aspekte der daraus hervor gehenden Produkte führt dazu, dass man wirklich jeden Tag etwas Neues lernt und mehr versteht. Eigentlich sieht kein Tag wie der andere aus und man hat gefühlt unendlich viele Möglichkeiten seine Fähigkeiten einzubringen und zu erweitern. Das ist spannend.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus und welche Kompetenzen brauchen Sie dafür?
Man bearbeitet eigentlich x-verschiedene Projekte gleichzeitig, die alle in unterschiedlichen Phasen im Entwicklungsprozess stehen und somit unterschiedliche Tätigkeiten verlangen. Das bedeutet, dass man an einem Tag im Prüfstand arbeitet und Messdaten analysiert, wobei dies eine Analyse eines Wettbewerbsfahrzeugs sein kann oder man Prinzipversuche macht, um physikalische Grundzusammenhänge zu verstehen. Am gleichen Tag macht man sich Gedanken über Simulationsmethoden oder interpretiert Simulationsdaten aus Fahrzeugprojekten im sehr frühen Stadium. Man bereitet permanent Präsentationen vor, hält und vertritt diese in diversen Meetings in unterschiedlichen Bereichen. Dies bedarf in großem Maße Multitasking Fähigkeiten und schnelles Umschalten. Man muss täglich sowohl an der eigenen fachlichen Tiefe arbeiten, aber auch an dem Verständnis in der Breite, denn das am Ende stehende Produkt ist das Ergebnis eines langen Ringens um eine gesamtoptimale Lösung, welche in der Regel ein Kompromiss aus einer Vielzahl von konkurrierenden Eigenschaften und Aspekten ist, also technisch, betriebswirtschaftlich oder auch legislativ. Man muss immer das „big picture“ im Kopf zu haben, und das geht nur mit Ausdauer und Überzeugungskraft.

Ich würde gerne mal einen Tag tauschen mit …
Angela Merkel

Was würden Sie einen allwissenden Forscher aus der Zukunft fragen?
Wird es die Evolution schaffen, einen „Menschen 2.0“ hervor zu bringen, der frei von egoistischen und zerstörerischen Trieben inhärent zu einem achtsameren Umgang sowohl mit seiner physischen Lebensgrundlage, als auch mit seinem sozialen Umfeld in der Lage ist.

Wenn Sie Präsident der TUHH wären…
… würde ich anregen die Studienpläne kritisch zu überdenken. Ich durfte das deutsche System erleben, aber auch das nordamerikanische. Beide sind verschieden und jedes hat seine individuellen Vor- und Nachteile, beide stellen aber aus meiner Sicht nicht das „Ende der Fahnenstange“ dar. Ich würde versuchen das Beste aus beiden Welten zu kombinieren.

Dr.-Ing. Wolfgang Daum

Nationalität: Deutsch
Stadt, Land: Silicon Valley, USA
Studiengang, Abschluss: Physik Universität Hamburg; danach promoviert an der TUHH im Fach Halbleitertechnologie / Dr.-Ing.
Abschlussjahr: 1992
Arbeitgeber, Position: TOMA Biosystems Inc. / CEO Chief Executive Officer (Geschäftsführer)

Was war Ihre Motivation die TUHH, dieses Studienfach und diesen Beruf zu wählen?
Ich hatte an der Uni Hamburg Physik studiert und eine Promotion an der TUHH gab mir noch mehr Zeit etwas Interessantes zu suchen. Ich dachte auch, dass ein Ingenieurtitel praktischer sein wird. Die TUHH war damals gerade im Aufbau und das fand ich klasse. Da konnte man was bewegen.

Was war für Sie in der Zeit an der TUHH ein unvergessliches Erlebnis?
Das Mitgestalten einer neuen Universität. Spezielles Erlebnis: Die Computertechnik war damals noch nicht so entwickelt wie heute und ich durfte bei der Literaturbeschaffung der Universitätsbibliothek mithelfen. Dabei konnte man noch versehentlich den „Format Disk“ Befehl absenden. Dann war die Festplatte gelöscht und wir konnten wieder von vorne anfangen. Hochpeinlich!

Womit konnte man Sie jederzeit vom Lernen abhalten?
Irgendwas an der neuen Uni gestalten und aufbauen.

Was nutzen Sie aus dem Studium für Ihren Beruf?
Organisationsaufbau einer Uni. Logisches Denken. Kritisches Denken. Leute überzeugen. Das alles hat mir als Unternehmer/Manager gut getan. Über die Jahre habe ich mehrere Unternehmen in der Medizin- und Biotechnik gegründet oder als Geschäftsführer mitgestaltet. Vor 15 Jahren bin ich durch den Verkauf einer meiner Unternehmen in die USA gekommen. Mich fasziniert, wie die Amerikaner Unternehmen aufbauen. Die Grundlage ist eine gute neue Idee, um die man ein zunächst „virtuelles“ Unternehmen bildet, deren Anteile man dann nutzt, um das Unternehmen zu nanzieren. Damit wird das Unternehmen realistisch. In Boston gründet das MIT (Massachusetts Institute of Technology) circa 300 Unternehmen pro Jahr. Das ist fast ein neues Unternehmen pro Tag! Mehr als 96 Prozent scheitern, aber das gehört in Amerika dazu. Es nicht versucht zu haben ist das eigentliche Scheitern, nicht der Fehlschlag. Mittlerweile wohne ich in Silicon Valley und leite mein achtes Bio-Medizin-Unternehmen. Gemessen am finanziellen Ge- winn ist das Resultat: Drei Unternehmen liefen gut bis sehr gut, zwei scheiterten und zwei waren ok.

Was ist das Tollste an Ihrem Job?
Freie Möglichkeit der Gestaltung. Zusammenarbeit mit Leuten, die etwas Außerordentliches schaffen wollen. Mitmachen an der vordersten Spitze der „Translational Medicine“. Selbstständigkeit.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus und welche Kompetenzen brauchen Sie dafür?
Um 7 Uhr fange ich an und gehe um 18 Uhr nach Hause. In der Zeit sind viele Meetings, Telefonate, Entscheidungen treffen, oft auch abends und am Wochenende.

Ich würde gerne mal einen Tag tauschen mit …
… einem Ingenieur eines Kinderspielzeugherstellers. .

Was würden Sie einen allwissenden Forscher aus der Zukunft fragen?
Haben uns die zunehmenden Kenntnisse in der Medizin tatsächlich langlebig und glücklich gemacht oder haben uns diese nur mehr Schwierigkeiten eingehandelt?

Ihr Lieblingsessen damals in der Mensa?
Spaghetti mit Tomatensauce.

Wenn Sie Präsident der TUHH wären…
… würde ich die Lust am Risiko und das Akzeptieren des Scheiterns fördern und sponsern.

Dr. Paola Vega-Castillo

Nationalität: Costa-Ricanerin
Stadt, Land: Cartago, Costa Rica
Studiengang, Abschluss: Promotion in Mikroelektronik, Master’s Degree in Microelectronics and Microsystems
Abschlussjahr: 2006
Arbeitgeber, Position: Instituto Tecnológico de Costa Rica, Vizepräsidentin für Forschung

Frau Dr. Vega-Castillo, was war Ihre Motivation die TUHH, dieses Studienfach und diesen Beruf zu wählen?
Ich bin Elektrotechnikerin. Ich habe mich für diesen Beruf entschieden, weil ich viel über Physik und Mathematik lernen wollte und damit außerdem gute Jobaussichten in Costa Rica hatte. Ein ehemaliger Professor der TUHH, Prof. Dr.-Ing. Otto Lange, besuchte damals meine Universität an der ich studierte und erzählte mir von dem internationalen Master-Programm an der TUHH. Daraufhin habe ich mich beim DAAD für ein Stipendium beworben.

Was war für Sie in der Zeit an der TUHH ein unvergessliches Erlebnis?
Als ich meine erste von mir selbst entworfene integrierte Schaltung vom Hersteller bekommen habe. Sie in der Hand zu halten war ein großartiges Gefühl nach all der harten und langen Arbeit am Computer.

Womit konnte man Sie jederzeit vom Lernen abhalten?
Vom Lernen abhalten kann man mich eigentlich nicht, denn ich lerne immer und ständig aus vielen anderen Fachrichtungen. Mich interessiert beispielsweise, was im Kosmos geschieht, deswegen lese und schaue ich immer wieder, was Wissenschaftler dazu entdecken und welche Theorien sie heute aufstellen. Genauso im Mikro-und Nanokosmos, was direkt mit meinem Fach zu tun hat.

Was nutzen Sie aus dem Studium für Ihren Beruf?
Sehr vieles. Ich muss mit Wissenschaftlern aus vielen verschiedenen Disziplinen arbeiten. Die Kombination von Mikroelektronik und Mikrosystemtechnik und anderen wissenschaftlichen Gebieten ist dafür sehr vorteilhaft.

Was ist das Tollste an Ihrem Job?
Zu sehen wie neue Ideen der Wissenschaftler entstehen und dann schließlich Wirklichkeit werden. Ich finde es spannend, wie Technologie und Lösungen beispielsweise in Costa Rica eingesetzt werden um Probleme und Aufgaben zu lösen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus und welche Kompetenzen brauchen Sie dafür?
Normalerweise habe ich viele Besprechungen mit dem wissenschaftlichen Personal, um neue Ideen und Projekte zu konzipieren, oder um mich über die Entwicklung der Projekte zu informieren, und gegebenenfalls mit Denkanstößen voranzubringen. Wir müssen Strategien planen und durchführen, Projekte und Ideen werden evaluiert. Andererseits muss ich meine Universität bei der Regierung, bei den verschiedenen Industrie- und Hochschulgremien und letztlich auch bei öffentlichen Veranstaltungen vertreten. Meine Universität ist eine staatliche Einrichtung. Abgesehen von den fachlichen Kompetenzen brauche ich dafür viel Geduld, Ausdauer, Führungseigenschaften, Inspiration, Arbeitswillen und Begeisterung. Am wichtigsten ist es für mich aber, jeden Tag mit Freude und Optimismus zu beginnen.

Ich würde gerne mal einen Tag tauschen mit …
… einer hochtalentierten Klavierspielerin oder einer Opernsängerin.

Was würden Sie einen allwissenden Forscher aus der Zukunft fragen?
Wie heißt die Gesamtgleichung, mit der man das Verhalten des Universums erklären kann?

Ihr Lieblingsessen damals in der Mensa?
Fisch mit Pellkartoffeln. Und Käsekuchen, vor allem, weil wir hier keinen richtigen Käsekuchen haben. Deutsche Würstchen bei den Veranstaltungen im Grünen habe ich immer sehr gemocht, bis heute!!!

Wenn Sie Präsidentin der TUHH wären…
… würde ich versuchen, mehr temporäre Arbeitsplätze für Gastprofessoren und Gastwissenschaftler an der TUHH zu schaffen, um die internationalen Beziehungen und den akademischen Austausch mit den Alumni der TUHH zu stärken.

Alexander Lorani

Nationalität: Deutsch
Stadt, Land: München, Deutschland
Studiengang, Abschluss: Maschinenbau Fertigungstechnik – Diplom-Ingenieur mit späterer Promotion
Abschlussjahr: 1990
Arbeitgeber, Position: Bristol Myers Squibb GmbH, IT Leiter

Warum haben Sie sich damals für die TUHH entschieden und war das aus heutiger Sicht gut?
Alle Dinge im Leben haben einen Grund und in meinem Fall kam es nach 21 Jahren zum “Full Circle”. Ich wurde 1964 auf dem heutigen unteren Campus im damaligen Allgemeinen Krankenhaus geboren und begann mein Studium 1985. Im Gegensatz zu dem heutigen Anschein einer voll durchgeplanten Karriere bereits zu Abiturzeiten, hatte ich damals keine Ahnung, was ich werden wollte. Also bewarb ich mich für verschiedene Studienplätze in Hamburg, Berlin, Braunschweig und Hannover und Maschinenbau an der TUHH. Im Sommer musste ich mich dann entscheiden, aus Bequemlichkeit UND wegen des niemals wiederkehrenden phantastischen Prof – Studi Verhältnisses von vermutlich 1:3 entschied ich mich für die TUHH.

Können Sie sich an den ersten Eindruck erinnern, die die TUHH auf Sie gemacht hat?
Die TU war damals noch zerstreut über ganz Harburg, das einzige Gebäude, das vermutlich heute jeder Student kennt, war das gerade fertiggestellte Technikum. Alles war noch ganz frisch, die erste Professorengeneration hatte gerade den ersten Jahrgang Erstsemester auf den Weg gebracht, meiner war der zweite Jahrgang. Im späteren Studium rissen sich die Professoren um einen wegen Studien- und Diplomarbeiten und Hiwi-Jobs. Es gab nur kleine Gruppen, das gesamte Erstsemester von circa 80 Studenten passte in Raum 018 des Technikums.

Was war Ihre Motivation dieses Studienfach und diesen Beruf zu wählen?
Mathe und Physik waren neben Sport und Musik die einzigen Fächer mit Tragfähigkeit aus dem Abi, daher musste es was Technisches sein. Ich war vermutlich das erste Kind in Deutschland, welches Mitte der Siebziger bereits am Computer arbeiten durfte, allerdings wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, Informatiker zu werden. Viel zu theoretisch. Da waren Maschinen und Geräte schon handfester.

Wo haben Sie in Hamburg/ Harburg neben dem Studium am liebsten Ihre Zeit verbracht?
Es gab mal diese geniale Sixt Mietautowerbung für einen Porsche mit dem Titel “Raus aus Fulda!” So ähnlich würde ich als gebürtiger Harburger die Anziehungskraft von Harburg in den 80ern beschreiben. Ich bezweifle, dass dies besser geworden ist. Hamburg hatte viele coole Live-Clubs mit Indie-Bands für Auftritte der “They Might Be Giants” oder von “Philip Boa and the Voodo Club“.

Was ist das Tollste an Ihrem Job?
Ich hatte seit meiner Unizeit drei Arbeitgeber und kann sagen, dass ich immer Glück hatte, in tollen Firmen mit inspirierenden Kollegen und fördernden Chefs zu arbeiten.

Was nutzen Sie aus dem Studium für Ihren Beruf?
Fachlich: Leider mit Maschinenbau danebengelegen, die Computertechnologie meiner Studienzeit ist nicht mit modernen IT-Ansätzen meiner jetzigen Tätigkeit vergleichbar. Analytisches Denken und Problemlösungen entwickeln hatte ich mir schon vor dem Studium durch den Umgang mit dem Computer angeeignet. Ich kann nur jedem im Studium empfehlen nur das zu tun, was einem interessant erscheint.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus und welche Kompetenzen brauchen Sie dafür?
Ich arbeite in einem US-amerikanischen Konzern und der größte Teil meiner Arbeit besteht im Vermitteln zwischen Projektinitiativen und deutscher Organisationen. Neben solider Kenntnis von IT-Technologien und IT-Managementansätzen benötige ich hauptsächlich Kommunikationskompetenz, Vermittlung von Ansichten und Problemlösungen und interkulturelle Kompetenz. Der typische Arbeitstag beginnt mit dem Aufarbeiten der circa 50 nächtlichen Mails aus aller Welt, zwang- losen Gesprächen mit Kollegen über Projektstände, um dann meist gegen Nachmittag in Meetings per Telefon und Skype, Video oder Face-to-Face überzugehen. Der Kalender ist dabei in der Regel doppelt oder dreifach gebucht, was einem den Luxus der Priorisierung und des Delegierens erlaubt.

Kristina Böe

Nationalität: Deutsch
Stadt, Land: Hamburg, Deutschland
Studiengang, Abschluss: Allgemeine Verfahrenstechnik / Dipl-Ing.
Abschlussjahr: 1994
Arbeitgeber, Position: GEA Brewery Systems GmbH, Senior Vice President Cross-Application Execution

 

Warum haben Sie sich damals für die TUHH entschieden und war das aus heutiger Sicht gut?

Das Studienangebot an der TUHH machte einensehr fundierten Eindruck. Sicherlich haben auch dieNähe zu meinem Wohnort und der hervorragendeRuf der TUHH sein Übriges getan. Das Studium ander TUHH war sehr anspruchsvoll und umfassend.Dieses hat mich und meine gesamte Herangehensweisean die Anforderungen im Job entscheidendgeprägt. Man lernt sehr strukturiert an Neuesheranzugehen und den „Elefanten in kleine Stücke zu zerlegen“.

 

Können Sie sich an den ersten Eindruck erinnern, den die TUHH auf Sie gemacht hat?

Zu meiner Zeit war die TUHH noch nicht so schön wie heute. Die Vorlesungen fanden an zahlreichen Orten in Harburg statt (Kasernenstraße, Kneipe in der Eißendorfer Straße, Helmsmuseum usw.). Daher gestalteten sich die Phasen zwischen den einzelnen Vorlesungen mit Laufen, Parkplatzsuche. Das Ganze wurde jedoch durch die tollen Studienkollegen wettgemacht.

 

Was war Ihre Motivation dieses Studienfach und diesen Beruf zu wählen?

Ich habe einen Studiengang gesucht, der eine breite naturwissenschaftliche Basis benötigt und legt. Auch die zahlreichen Möglichkeiten, die man mit allgemeiner Verfahrenstechnik in der Industrie hat, haben mich überzeugt.

 

Wie würden Sie Ihre Zeit an der TUHH zusammenfassen?

Eine arbeitsintensive Zeit, die jedoch aufgrund der tollen Arbeitsgruppe, die ich hatte, auch genügend Freiräume gelassen hat. Die Truppe, mit der ich damals intensiv gearbeitet habe, gearbeitet habe, trifft sich seit dem Studium immer noch zu unterschiedlichen Anlässen.

 

Was ist das Tollste an Ihrem Job?

Seit 01. Juni 2015 habe ich eine neue Position innerhalb der GEA Group übernommen. Ich baue derzeit einen völlig neuen Bereich auf, wo ich auf keine vorhandenen Strukturen aufbauen kann. Das macht unheimlich Spaß, fordert mich aber auch, aufgrund der großen Verantwortung, die damit verbunden ist. Die GEA Group ist mein erster Arbeitgeber nach dem Studium und hat mir über die ganzen Jahre immer wieder neue Herausforderungen gestellt, die mich gefordert und gefördert haben. Zuletzt war ich jahrelang Technische Leiterin bei der GEA Brewery Systems GmbH. Dabei hat mich der große Zusammenhalt und Teamgeist immer sehr stark motiviert, es ist ein Teil meiner Familie.

 

Was nutzen Sie aus dem Studium für Ihren Beruf?

Ich nutze mein großes Basiswissen, um komplexe Zusammenhänge zu verstehen und meinen Mitarbeitern so bei der Lösung ihrer Technischen Probleme zu helfen. Mein heutiger Job besteht hauptsächlich aus Personal Management.

 

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus und welche Kompetenzen brauchen Sie dafür?

Mein typischer Arbeitsalltag ist sehr stark auf Kommunikation ausgerichtet. Da meine Mitarbeiter über die ganze Welt verteilt sind, ist der regelmäßige Austausch über die modernen Kommunikationsmittel unumgänglich. Da mein Bereich sich ausschließlich mit Ressourcen Management beschäftig, spielt das Thema Weiterbildung und Weiterentwicklung der Mitarbeiter eine wichtige Rolle.

 

Sie engagieren sich außerdem für das Netzwerk TU & YOU, was machen Sie da und warum?

Nachwuchsförderung wird in unserem Hause groß geschrieben. Daher engagieren wir uns besonders an der TUHH, indem wir einmal im Jahr den Preis für den „Besten Bachelor Abschluss in der Regelstudienzeit in der biologischen Verfahrenstechnik“ ausschreiben. Zusätzlich sind wir zusammen mit anderen namhaften Firmen aus Hamburg am sogenannten Professoren Grill als Sponsor beteiligt. Dieses Netzwerk hat uns bisher zahlreiche Praktikanten beschert und dazu geführt, dass doch der ein oder andere Mitarbeiter ein Absolvent der TUHH ist. Diese Kooperation ist eine Win-win-Situation für die Studenten und für uns als Arbeitgeber.

Tanja Karp

Nationalität: Deutsch
Stadt, Land: Lubbock, Texas, USA
Studiengang, Abschluss: Elektrotechnik (Signalverarbeitung und Nachrichtentechnik), Promotion
Abschlussjahr: 1994
Arbeitgeber, Position: Department of Electrical and Computer Engineering, Texas Tech University, Associate Professor

Warum haben Sie sich damals für die TUHH entschieden und war das aus heutiger Sicht gut?

Die TUHH war eine kleine junge Uni mit gutem Ruf. Die familiäre Atmosphäre sagte mir sehr zu, man lernte sich schnell kennen und die Professoren kannten uns beim Namen. Es gab viele Möglichkeiten, sich als studentische Hilfskraft bereits frühzeitig einen Einblick in die Forschung zu verschaffen. Trotz ihrer überschaubaren Größe fungierte die TUHH bereits damals als Tor zur Welt: Im Rahmen des ERASMUS Programmes studierte ich ein Semester lang in Bordeaux und als Doktorandin war ich vorübergehend an Forschungsprojekten der University of Wisconsin in Madison und an der ENST Paris beteiligt und konnte mir durch den Besuch von Konferenzen frühzeitig ein eigenes internationales Netzwerk aufbauen.

 

Wie würden Sie Ihre Zeit an der TUHH zusammenfassen?

Es war eine arbeitsintensive Zeit, aber auch eine Zeit vieler neuer Freundschaften. Die TUHH gab sich damals ein jung-dynamisches Aussehen und befand sich noch im Aufbau, so dass wir im Grundstudium Vorlesungen im Helms-Museum und auf der Eichenhöhe hörten und im Finanzamt zu Mittag aßen. Die Professoren waren sehr engagiert in der Lehre. Den Klausurstress, in dem wir uns alle befanden, empfindet man nach vielen Jahren und nach erfolgreichem Absolvieren der Klausuren als nicht mehr so schlimm.

 

Was nutzen Sie aus dem Studium für Ihren Beruf?

Aus der Signalverarbeitung und Nachrichtentechnik nutze ich viel. Auch auf die mathematischen Grundlagen und Programmierkenntnisse greife ich regelmäßig zurück. Aus anderen Fächern, wie Materialwissenschaften oder der Energietechnik, ist die Gewissheit geblieben, jemanden zu verstehen, der in diesem Bereich arbeitet und mich selbst gegebenenfalls wieder einarbeiten zu können.

 

Sie lehren mittlerweile an der Texas Tech University, was sind Ihrer Meinung nach die größten Unterschiede zu den deutschen Universitäten?

Die Texas Tech University ist eine breitgefächerte Universität mit ca. 35.000 Studierenden. Es handelt sich um eine typische amerikanische Campus-Universität. Dadurch, dass Lubbock mit 250.000Einwohnern die größte Stadt in einem Umkreis von ungefähr 500 km ist, wohnen fast alle Studierende auf dem Campus oder in Campusnähe. Ein Hauptunterschied sind natürlich die immens hohen Studiengebühren. Außerdem wird ein Großteil der Studienleistungen bereits während des Semesters erbracht. Insgesamt ist das Bachelor-Studium schulischer organisiert, praxisorientierter und es findet eine intensive Betreuung der Studierenden statt. Außerhalb der Vorlesungen gibt es hier viel mehr Studentenorganisationen, in denen man sich engagieren kann.

 

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus und welche Kompetenzen brauchen Sie dafür?

Die meisten Tage bestehen aus einem Zeitmultiplex von Lehre, Forschung, Betreuung von Studenten und Gremienarbeit. Im Frühjahrssemester organisiere ich außerdem einen Robotik-Wettbewerb für Schüler und Schülerinnen, um ihr Interesse an MINT-Fächern zu wecken. Die etwa 700 Teilnehmer werden an ihren Schulen von Studierenden meiner „Einführung in die Ingenieurswissenschaften“- Vorlesung betreut. Für den 8-wöchigen Wettbewerb verbringe ich einen Großteil meiner Zeit mit Organisation.

 

Sie leben in den USA und halten trotzdem den Kontakt zur TUHH. Warum?

Verbindungen zur TUHH sind mir bereits beruflich zugute gekommen. So haben in diesem Frühjahr erstmals Schüler und Schülerinnen aus Deutschland, USA und Südafrika gemeinsam an einem von mir organisierten Robotik-Wettbewerb teilgenommen, wobei die Hamburger Gruppe von der TUHH rekrutiert wurde. Auch im internationalen Studentenaustausch habe ich mich dafür eingesetzt, dass die beiden Universitäten eine Partnerschaft eingegangen sind. Die ersten TUHH-Studierenden waren bereits sehr erfolgreich während ihres Semesters an der Texas Tech University. Persönlich habe ich noch Familie in Norddeutschland und freue mich immer, einen TUHH-Besuch mit einzuplanen.

Christina Vossen, Senior Engineer

Name, Vorname: Vossen, Christina
Nationalität: deutsch
Stadt, Land: Ulsteinvik, Norwegen
Studiengang, Abschluss: Schiffsmaschinenbau, Diplom
Abschlussjahr: 2010
Arbeitgeber, Position: Rolls-Royce Marine AS, Shiptechnology Offshore Systems – Senior Engineer

10 Fragen…

Warum haben Sie sich damals für die TUHH entschieden und war das aus heutiger Sicht gut?
Ich wählte Schiffsmaschinenbau, weil ich mich für technische Dinge und die maritime Industrie interessierte. Für mich war es die richtige Entscheidung und ich bereue sie nicht.

Können Sie sich an den ersten Eindruck erinnern, den die TUHH auf Sie gemacht hat?
Eine kleine Hochschule mit einem netten Campus. Nicht überlaufen und deshalb war es einfach, andere Menschen kennen zu lernen. Zahlenmäßig ein gutes Verhältnis zwischen Studenten und Lehrkräften/Professoren.

Wie würden Sie Ihre Zeit an der TUHH zusammenfassen?
Es war eine harte Zeit mit viel Arbeit, viel Spaß und einem hervorragenden Team um mich herum. Ich lernte, wie man scheitert und wieder auf die Beine kommt, und dass Teamwork einen wichtigen Anteil
am Erfolg hat.

Wo wohnen Sie jetzt, was gefällt Ihnen dort und was ist der größte Unterschied zu Hamburg?
Seit drei Jahren wohne ich auf einer kleinen Insel an der Westküste von Norwegen. Ulsteinvik hat 6000 Einwohner und ist von der maritimen Industrie geprägt (drei unterschiedliche Werften und Schiffskonstrukteure, mehrere Reeder, Lieferanten und Unterlieferanten der maritimen Industrie). Die Menschen sind entspannt und sie genießen die Natur,
beim Skifahren, Wandern, Jagen, Segeln und Angeln. Der größte Unterschied zu Hamburg? Die Größe, die Umgebung, die Natur …

In welchem Bereich arbeiten Sie derzeit?
Ich habe zur Zeit mit Forschungs- und Entwicklungsprojekten zu tun und bin außerdem in der Maschinenbauabteilung tätig, wo ich als Projektingenieurin am Detail-Engineering von Offshore-
Schiffen mitarbeite.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus und welches Fachwissen benötigen Sie dafür?
Im Grunde ist jeder Arbeitstag anders. Mal kann der Tag aus Projektbesprechungen, Kundentreffen oder Meetings mit Behörden und Klassifikationsgesellschaften bestehen. Mal besteht er aus Berechnungen,
Zeichnungen und Selbststudium. Außer Fachwissen sind Projektmanagement, Teamwork und Teamführung wichtige Faktoren. Hinzu kommen soziale Kompetenzen – wie man mit Kollegen,
Kunden und Lieferanten umgeht.

Welche persönlichen Empfehlungen geben Sie für einen guten Berufseinstieg in Ihrer Branche?
Seien Sie offen! Seien Sie risikobereit! Versuchen Sie und scheitern Sie! Bauen Sie ein Netzwerk auf! Erweitern Sie Ihren Horizont und dehnen Sie Ihren Komfortbereich von Zeit zu Zeit aus! Und haben
Sie keine Angst vor einem Arbeitsplatzwechsel nach einem Jahr. Wenn die Arbeit Ihnen keinen Spaß macht, können Sie nicht gut arbeiten. Ziehen
Sie weiter und finden Sie einen neuen Job mit den Herausforderungen, die Sie suchen.

Wenn Sie der Präsident der TUHH wären, …
… würde ich darauf abstellen, den hohen Standard unserer Ausbildung beizubehalten und versuchen, die Wirtschaft in den universitären Alltag (Vorlesungen) mehr einzubinden. Gastdozenten aus der Industrie sollten eine wichtige Rolle spielen. In den höheren Semestern würde ich mehr auf Projektarbeit als „nur“ auf Vorlesungen setzen. Ich würde versuchen, mehr Industriepartner auch außerhalb Norddeutschlands zu gewinnen.

Dr. Alexander Nürnberg

 
Herr Dr. Nürnberg, Sie haben an der TUHH Maschinenbau studiert und anschließend promoviert.
Wie hat sich die TUHH seitdem verändert?

Im Herbst 1983 nahm ich das Hauptstudium des Schiffsmaschinenbaus an der TUHH auf. Das Technikum war das einzige fertiggestellte Gebäude. Teile des Krankenhauses und zahlreiche Räumlichkeiten im Harburger Stadt- und Hafengebiet wurden für die damaligen Arbeitsbereiche genutzt.
Unser Semester bestand aus 12 Studenten. Drei kamen mit dem Vordiplom von anderen Hochschulen, die anderen hatten schon ein FH Studium absolviert.
Wir waren im ersten Jahrgang des Lehrbetriebs der TUHH. Es gab deutlich mehr Professoren und Assistenten als Studenten und wir genossen die Beachtung, die uns geschenkt wurde.
Es gab eine bemerkenswerte Aufbruchstimmung und eine „ja, das geht“ Grundhaltung im akademischen und im verwaltenden Betrieb. Improvisation war die Grundlage für den erfolgreichen Start. Wir haben das als sehr motivierend empfunden.
Heute verfügt die TUHH über eine hervorragende Infrastruktur und ist integraler Bestandteil Hamburgs geworden. Alles ist viel professioneller, auch größer und damit auch anders. Das ist eine natürliche und notwendige Entwicklung, wenn man in der ersten Liga der technischen Universitäten spielen will.

Wo in Harburg haben Sie als Student Zeit verbracht?
Harburg konnte in der Mitte der 80er Jahre wenig für Studenten bieten. Ich erinnere noch die Plakate in Eißendorf mit der Aufschrift: „Keine Universität im Wohngebiet!“ Wir hatten also einen eher exotischen Status damals. Konkret beantwortet: Im Technikum, in der Harburger Schloßstraße und im Lauenbruch Ost. Die Freizeit habe ich im gerade erwachenden Ottensen verbracht.

Wie ging es nach Ihrer Promotion im Jahr 1991 beruflich für Sie weiter?
Am 2. Januar 1992 habe ich als Entwicklungsingenieur bei der Firma HATLAPA in Uetersen begonnen. Mein Mentor beim Studienbeginn an der TUHH war mein erster Chef. So klein kann die Welt sein!
1994 wurde ich Konstruktionsleiter, 1995 zusätzlich Produktionsleiter und 1996 dann Geschäftsführer. Das bin ich heute immer noch.
Obwohl ich nun seit 22 Jahren in demselben Unternehmen arbeite, war noch kein Tag wie der andere.

Gute Noten? Ein Studium in Regelstudienzeit? Was ist für einen erfolgreichen Berufseinstieg wichtig?
Ich bin da eher ein Beispiel für den unkonventionellen Weg. Leistungskurse in Englisch und Geschichte, Abi mit einem Durchschnitt von 3,1 machen heute den Start in ein Maschinenbaustudium nicht leicht.
Dann habe ich auch noch bemerkenswerte 10 Semester für das Vordiplom gebraucht, das ich mit 2,7 abschloss. Im heutigen Bachelor System wäre es das dann gewesen.
Das Hauptstudium habe ich nach 4 Semestern mit 2,0 absolviert und nach weiteren 4 Jahren die Promotion dann mit sehr gut.
Während meiner Studentenzeit habe ich viel in der Industrie gearbeitet und gerne Verantwortung übernommen. Das hat mir Berufseinstieg leicht gemacht und die Entwicklung war dann auch nicht so schlecht…

Was spricht Ihrer Meinung nach für ein Studium an der TUHH?
Die TUHH ist eine moderne, internationale Universität mit einem klar formulierten Leistungsanspruch. Die Größe ermöglicht guten persönlichen Kontakt und das Angebot ist fokussiert. Das ermöglicht die Erreichung eines hohen Niveaus.
Bemerkenswert finde ich auch das Angebot im akademischen Umfeld, seien es die Musik, der Sport oder die Kunst. Das ist gelebte Lebensqualität!

Neben Ihren beruflichen Aufgaben engagieren Sie sich auch im Alumniverein und in der Stiftung der TUHH. Was motiviert Sie zu diesem Engagement?
Ich bin während meiner Zeit an der TUHH von hervorragenden Persönlichkeiten unterrichtet worden, denen ich sehr viel zu verdanken habe. Oft habe ich den Umgang verglichen mit der Zeit der griechischen Philosophen und ihren Schülern auf den Marktplätzen. Die Wissensvermittlung ging weit über das technisch fachliche hinaus und der Dialog hat das Denken und Verstehen geschärft.
Bildung ist ein sehr wichtiges Gut und ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass das in der Gesellschaft geleistet werden kann.

André Katzenberger

 
Herr Katzenberger, Sie haben Energie- und Umwelttechnik an der TUHH studiert. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrem Studium an der TUHH?
Das Studium an der TUHH war eine interessante Erfahrung für mich. Ich habe viele interessante Einblicke gewonnen, aber auch unangenehme Erfahrungen gemacht. So hat mich zwar der vermittelte Unterrichtsinhalt allgemein bereichert und über den Ingenieursberuf aufgeklärt, jedoch ist der Bachelor sehr allgemein geblieben. Die Studienpläne waren teils sehr starr und es wurde relativ viel Druck auf die Studierenden ausgeübt. Das waren auch die Gründe, weshalb ich nach dem Bachelor zunächst einmal arbeiten wollte.

Welche Aufgaben gilt es in Ihrem derzeitigen Job als Klimaschutzmanager der Stadt Hürth zu bewältigen?
Die Stelle des Klimaschutzmanagers ist eine vom BMUB (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit; Anm. der Redaktion) geförderte Stelle, die in Kommunen oder Landkreisen Querschnittsaufgaben im Bereich Klimaschutz und Energie abdeckt. Auf Basis eines Klimaschutz(teil)konzepts, welches für eine Kommune erstellt wird, ist der Klimaschutzmanager für die Umsetzung verantwortlich. Der Schwerpunkt in Hürth liegt im Bereich der kommunalen Liegenschaften, umfasst also alle Bereiche vom einfachen Energiecontrolling (Verbräuche dokumentieren, analysieren und optimieren), Gebäudemanagement (Priorisierung von Maßnahmen, Umsetzung der notwendigen energetischen Sanierungen), aber auch Nutzerschulungen, wie z.B. Energiesparprojekte in Schulen oder mit Mitarbeitern.

Helfen Ihnen hierbei Ihre während des Studiums erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten?
Das technische Grundverständnis – z.B. beim Einsatz von erneuerbaren Energien oder auch bei baulichen Maßnahmen – hilft mir sehr, den Gesprächen der Techniker zu folgen und mit Ihnen gemeinsam planen zu können. Jedoch liegen die von mir als Klimaschutzmanager verlangten Fertigkeiten eher im analytischen Bereich und im Energiemanagement, was ich mir über Eigeninitiative und Interesse schrittweise angeeignet habe.

Geradliniges Studium und Lebenslauf, exzellente Noten, den Kopf voller Wissen… Was ist wichtig im späteren Berufsleben?
Nichts vom oben genannten. Mein Abschluss an der TUHH war eher mittelmäßig, mein Lebenslauf alles andere als geradlinig. Was jedoch viel mehr zählte als jeder noch so interessante Lebenslauf, ist das Selbstbewusstsein zu wissen was ich will und was ich kann. Lasst euch nicht aus der Bahn werfen, schaut über den Tellerrand hinaus, erweitert euren Horizont und bleibt euch treu. Fachkräfte werden mehr und mehr gesucht und der 08/15-Absolvent ohne Weitblick ist schon lange nicht mehr attraktiv für Unternehmen.