Marcus Keding


Nationalität: Deutsch
Stadt, Land: Wien, Österreich
Studiengang/Abschluss: Verfahrenstechnik/Dipl. Ing.
Abschlussjahr: 2005
Arbeitgeber und Position: Geschäftsführer Forschung Burgenland

Warum haben Sie sich damals für die TUHH ent­schieden und war das aus heutiger Sicht gut?
Die TUHH hatte damals einen sehr guten Ruf. Hinzu kamen die persönliche Atmosphäre und der sehr ansprechende Campus. Ich habe mich dann mehrere Jahre in der Fachschaft engagiert und noch heute bin ich mit einigen meiner Kommilito­nen in Kontakt. Nur mit der Thermodynamik hatte ich lange Zeit meine Probleme, ich habe die Fächer dann aber schlussendlich gemeistert und war zwei Jahre auch Tutor in dem Bereich – durch das mehr­malige Lernen für Prüfungen kannte ich mich am Schluss wirklich sehr gut aus 😉

Was war Ihre Motivation, dieses Studienfach und diesen Beruf zu wählen?
Die Kombination von Chemie und Maschinenbau fand ich super! Mein Traum war damals schon die Wasserstoffspeicherung für Fahrzeuge zu entwi­ckeln und dafür bot sich einfach die Verfahrens­technik mit der Spezialisierung auf Energietechnik an. Ein wichtiger Meilenstein war dann sicherlich die Arbeit als Hiwi im Institut Apparatebau bei Prof. Jobst Hapke. Hier konnte ich schon früh an sehr spannenden Forschungsprojekten im Bereich der Wasserstoffspeicherung mitarbeiten und dort auch meine Diplomarbeit machen. Diese war auch die Eintrittskarte für meinen Berufseinstieg.

Wo haben Sie in Hamburg / Harburg neben dem Studium am liebsten Ihre Zeit verbracht?
Ich habe mich oft mit Freunden getroffen und wir haben die wenige freie Zeit intensiv genutzt. WG-Feiern, OE-Fahrten und das Inline-Skaten in der Innenstadt sind mir in bester Erinnerung. Es gab dann sogar einen direkten Weg mit Inline-Skates von der Mönckebergstraße bis zur Großen Freiheit 36 zum ‚After-Skate-Bier‘. Und dann war da noch der Elbstrand in Övelgönne mit der Strandperle, den besuche ich heute noch, wenn ich mal wieder in Hamburg bin.

Was ist das Tollste an Ihrem Job?
Der Berufseinstieg in die Automobilindustrie hat nach dem Studium erst mal nicht geklappt, dafür habe ich aber ein spannendes Angebot aus der Weltraumforschung in Wien bekommen – und dort war ich dann tatsächlich für die Entwicklung von Wasserstoffspeichersystemen für Satelliten zuständig. Eine sehr spannende Zeit in der ich sehr viel gelernt habe und auch sehr viel Gestaltungs­spielraum hatte. Später habe ich dann auch die Forschungsgruppe geleitet und weiterentwickelt. Vor fünf Jahren bekam ich dann das Angebot, einen Studiengang an einer FH und parallel dazu die Co-Geschäftsführung der Forschungstochterge­sellschaft zu übernehmen. Ohne meine Zeit an der TUHH hätte ich mir diese Herausforderung sicher nicht zugetraut. Seit einem Jahr bin ich Alleinge­schäftsführer der Forschungsgesellschaft mit über 40 Mitarbeitern. Es war jedenfalls die beste Ent­scheidung, nach dem Studium den Job auszuwäh­len, bei dem ich den meisten Gestaltungsspielraum bekommen habe.

Was nutzen Sie aus dem Studium für Ihren Beruf?
Meine ehemaligen Kommilitonen haben sehr geschmunzelt, als ich ihnen vor fünf Jahren erklärt habe, dass ich wieder im Hörsaal bin, nur dieses Mal als Vortragender. Ich war ja nicht unbedingt der Student, der alle Prüfungen beim ersten Mal bestanden hatte. Heute weiß ich das solide Basis­wissen, welches wir in Hamburg bekommen haben, sehr zu schätzen. Die Thermodynamik ist einfach schwierig und manchmal muss man sie eben zweimal hören, um sie zu verstehen. Dafür gibt es später unzählige Möglichkeiten, wo ich dieses Wissen anwenden kann. Ich habe auch großen Respekt vor der Organisation eines Studienganges und einer Vorlesung. Ich weiß jetzt wie schwierig und langwierig es ist, eine qualitativ hochwertige Vorlesung zu gestalten und einen guten Stunden­plan zu organisieren.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag für Sie aus und welche Kompetenzen brauchen Sie dafür?
Mein Tag fängt immer an der Kaffeemaschine an, dann geht es zu meiner Assistentin und es gilt die anstehenden Meetings zu besprechen und jede Menge Rechnungen zu unterschreiben. Der offene und wertschätzende Umgang, der mir an der TUHH von Seiten der Professoren entgegenge­bracht worden ist, hilft mir sehr beim Umgang mit den Kollegen. Nach dem ersten Gespräch geht’s dann meistens daran, die wichtigsten Emails zu beantworten. Auch hier zählt bei mir die richtige Priorisierung. Ansonsten ist mein Arbeitstag sehr geprägt von Team-Meetings und Besprechungen. Eine strukturierte Selbst-Organisation ist das wichtigste beim Bewältigen von sehr unterschied­lichen Aufgabenstellungen. Darüber hinaus bin ich in verschiedenen Gremien sehr aktiv und auch für die Außenwirkung der Forschungsgesellschaft und die Kommunikation mit unseren Stakeholdern verantwortlich. So eine Pressekonferenz klingt erst mal easy. Wenn man aber da vorne steht und die Journalisten der regionalen Zeitungen und des regionalen TV-Senders Fragen stellen, sollte man einfache Antworten geben können. Improvisation ist dabei auch wichtig, da sich nie jeder an den vorgesehenen Plan hält. Abwechslungsreicher geht es insofern sicher nicht mehr.

Wenn Sie Präsident der TUHH wären…
…würde ich mir zuerst sagen: Marcus, das war jetzt etwas Zuviel des Guten. Als zweiten Schritt würde ich mir überlegen, wer denn besser für den Job geeignet wäre und diesen nominieren. Da ich einen guten Einblick habe in die Aufgaben eines Rektors und eines Geschäftsführers einer Hochschule, kann ich mir nicht vorstellen, dass das irgendwann mal in meinem Lebenslauf stehen könnte. Vor 13 Jahren hätte ich das aber sicher auch über meine jetzige Position gesagt. Insofern schaue ich gleich mal wo ich am besten jetzt mein Doktorat machen kann… 😉