Dr. Kristina Böhlke

Name, Vorname: Böhlke, Kristina
Nationalität: Deutsch
Stadt, Land: Hamburg, Deutschland
Studiengang: Biotechnologie, Ph. D.
Position, Arbeitgeber: selbstständig

Dr. Kristina Böhlke ist gebürtige Hamburgerin, die Teile ihrer Kindheit in Indonesien und den Niederlanden verbrachte. Mit 16 begann ihr politisches Engagement und gründete sie eine BUND-Naturschutzgruppe, 10 Jahre später trat in die SPD ein. Nach ihrer TU-Promotion wechselte sie in die öffentliche Verwaltung, war im Forschungsministerium tätig und schließlich Staatsrätin in Hamburg, bevor sie sich als Beraterin und Trainerin selbständig machte.

„Der Kopf ist schon ausgelastet genug“

Die Hamburger Emotions-Trainerin Kristina Böhlke über Biologie, den Sinn von Körperwahrnehmung und ihre Rolle einer Vermittlerin zwischen Politik und Wissenschaft.

Sie haben an der Universität Hamburg Biologie studiert, wie kam es, dass Sie danach in der Biotechnologie an der TU Hamburg promoviert haben, und wie hat Sie das auf Ihrem weiteren Weg beeinflusst?
Das war eine elegante Art, die Uni, aber nicht die Stadt wechseln zu müssen. Im Graduiertenkolleg der TU Hamburg habe ich interessante Themen zur Umwelt entdeckt, sie hat mich schon immer bewegt. Ungefähr gleichzeitig mit dem Start der Promotion bin ich in den SPD-Landesvorstand gewählt worden. Das hat mich beeinflusst und mir wurde während der Promotion klar: Ich interessiere mich für Wissen, aber nicht für jedes „Sandkorn“, an dem man seine eigene Karriere aufhängt, sondern für den „Strand des Wissens“. Und deshalb war es für mich dann folgerichtig, Forschung für andere zu organisieren. Eigentlich bin ich Dolmetscherin. Ich übersetzte zwischen Politik, Verwaltung und Wissenschaft.

Was haben Sie über das Fachliche hinaus aus Ihrem Studium mitgenommen?
Da muss ich meinen Doktorvater loben, u.a. weil er mir “promotionsfremde“ Aufgaben übertrug. Z.B.  habe ich einen  Antrag an das europäische Forschungsrahmenprogramm mit acht europäischen Partnern koordiniert. Das war zwar wahnsinnig viel Arbeit, aber ich habe dabei viel gelernt. Das begründet Kompetenzen, für die Sie irgendwann mal dankbar sind.

Haben Sie sich bewusst gegen das Ende der wissenschaftlichen Karriere entschieden, als Sie ins Ministerium gegangen sind?
Ja, das war völlig klar und war auch Absicht. Ich habe mich angefangen zu langweilen bei meinem eigenen Thema und das ist kein gutes Zeichen. Eines meiner Vorbilder ist der Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker. Er hat mal gesagt: Alle fünf Jahren sollte man etwas Neues machen. Da passte es gut, dass ich als Referentin nach Berlin ins Bundesministerium für Bildung und Forschung wechseln konnte.

Sie haben die 5-Jahres-Regel beherzigt und anschließend fünf Jahre lang den Projektträger am Forschungszentrum DESY geleitet.
Ich hatte gerade meinen Fünfjahresvertrag dort verlängert als im Februar 2011 in Hamburg gewählt wurde…

…die Wahl, bei der die SPD die absolute Mehrheit errang und Olaf Scholz erster Bürgermeister von Hamburg wurde.
Genau. Er hat mich dann gefragt, ob ich das Amt der Staatsrätin in der Wissenschaftsbehörde übernehmen wollte. Vorher war ich mehrere Jahre im Hamburger Landesvorstand unter Scholz als Vorsitzende. Ich hätte auch weiter ohne ein politisches Amt gut leben können. Aber gleichzeitig war natürlich die Versuchung riesig, Wissenschaftspolitik in Hamburg mitgestalten zu können. Ein „Nein“ kam also nicht wirklich in Frage, man wird ja nicht viel öfter als anderthalb Mal im Leben gefragt.

Ein Jahr später haben Sie der Politik den Rücken gekehrt, Sie waren gesundheitlich angeschlagen und hatten ein Burn-out. Haben Sie diese Krise letztlich als Chance begriffen?
Ich hatte mein Amt niedergelegt. Und alle, die sich mit Burnout auskennen, wissen, da ist man nicht plötzlich wieder gesund, sondern braucht erstmal eine Weile. Ich denke mittlerweile, dass das Schicksal mir einen richtigen Tritt verpasst hat, wofür ich sehr dankbar bin. Auf diese Weise hatte ich die Chance, gründlich nachzudenken: Willst du so weitermachen? Ich war 15 sehr intensive Jahre lang ohne Pause in einem Hamsterrad. Und irgendwann verzeiht der Körper diese schiere Anstrengung nicht mehr.

Was haben Sie unternommen?
Ich habe Trainings absolviert und gelernt, mit Stress und Konflikten umzugehen. Und habe dann erkannt, dass ich solche „Emotions-Trainings“ künftig in einer selbständigen Tätigkeit in den Mittelpunkt stellen will. Letztendlich bin ich als Trainerin wieder bei der Biologie gelandet, weil mich schon immer interessiert hat, wie menschliches Leben funktioniert. Kürzlich habe ich meine Marke „Körper-Biologik“ angemeldet. Es geht um innere Führung, also Selbstwahrnehmung und Selbststeuerung. Vieles von dem, was ich heute kann und auch weitergebe, hätte mir damals sehr geholfen. Ich glaube, das liegt daran, weil mein Körper sehr gut spüren kann, wenn etwas nicht stimmt.

Wie funktioniert das mit der Körper-Biologik®?
Man sagt, zwischen zwei Menschen müsse die Chemie stimmen.  In Wahrheit ist es die Physik. Jeder Mensch hat eine Ausstrahlung. Strahlung ist dabei physikalisch durchaus wörtlich zu nehmen. Ziel ist es, den eigenen Körper so gut zu kennen, dass man unterscheiden kann: Kommt das von mir oder von dir, was ich hier gerade spüre?

Für wen sind Ihre Schulungen geeignet?
Letztlich für jede und jeden. Ich biete zum Beispiel beim Zentrum für Aus und Fortbildung der Stadt Hamburg Trainings an wie „Emotional kompetent führen für Führungskräfte“. Oder es kommen Speaker*innen zu mir, die gerne auf der Bühne authentisch Emotionen zeigen wollen. Sie möchten zum Beispiel eine dramatische Geschichte erzählen, ohne sich selber dabei emotional zu missbrauchen oder zu retraumatisieren. Meine Trainings sind im Prinzip alles Varianten von: Ich arbeite mit dem Körper. Daher der Name Körper-Biologik®. Ich übe mit den Menschen ihre körperliche Emotions-Kompetenz wiedererlangen. Bei mir geht es nicht um Kleidungstipps, sondern darum, wie ich verkörpere, was ich rüberbringen will. Denn mit der Körperhaltung können Sie die innere Haltung beeinflussen – und umgekehrt.

Können Sie uns dafür ein Beispiel geben?
Ganz oft sagen Leute zu mir: „Ich muss mir erst mal aufschreiben, was ich gleich sagen will“. Doch es ist viel wichtiger, sich zu überlegen, was ich ausstrahlen will und dies körperlich vorzubereiten. Wenn das „steht“, kannst Du darauf vertrauen, dass die adäquaten Worte schon von selber kommen werden.

Haben Sie ein Lebens- oder Arbeitsmotto?
„Kontrolle loslassen, Führung übernehmen“! Meine Mission ist es, die Menschen wieder zu mehr Selbst-Bewusstsein zu bringen, das meine ich körperlich. Bewusster mit sich selbst umzugehen und darauf aufbauend mit der Woher beispielsweise eine schlechte Laune kommt, ob man gerade so sein möchte oder umsteuern kann. All das passiert auf der körperlichen Ebene. Emotionale Blockaden verursachen irgendwann körperliche Schmerzen. Deshalb ist mir der Körper als Instrument wichtig, denn der Kopf ist schon ausgelastet genug. Ständig machen wir Pläne und To-do-Listen. Aber der Körper weiß es besser und kann uns den Weg zeigen.

Was würden Sie einen allwissenden Forscher aus der Zukunft fragen?
Haben wir durch die Quantenphysik besser verstanden, wie es funktioniert, dass man Dinge, die man eigentlich nicht wissen kann doch weiß? Ich wusste zum Beispiel, als am anderen Ende der Welt gerade meine Großmutter gestorben war.

Was würden Sie mit Ihren Erfahrungen heute Studierenden und jungen Absolvent*innen mit auf den Weg geben?
Folge deiner Leidenschaft. Die Entscheidung direkt nach dem Studium ist keine endgültige für dein ganzes Berufsleben. Also habe keine Angst, jetzt erst mal das zu machen, was sich anbietet und worauf du Lust hast. Wichtig ist auch, einmal thematisch wirklich tief zu tauchen, in welchem Gebiet auch immer, zum Beispiel bei einer Promotion. Auch wenn es mir nicht lag, so war es für mich wichtig.

Wenn Sie Präsidentin der TU wären. Was wäre Ihnen wichtig?
Die Wissenschaft muss sich dafür interessieren, was die Gesellschaft gerade umtreibt und umgekehrt sollte die Gesellschaft sich für Wissenschaftsthemen interessieren. Klimawandel, Pandemien, wir brauchen Wissenschaft! Und weil wir es gerade erleben: Sie sollte auch kommunikationsfähig sein!