Michael Bluemner

Michael Bluemner

Name, Vorname:                 Bluemner, Michael

Nationalität:                        Deutsch, Seychellisch

Stadt, Land:                        Glacis, Mahé, Seychellen

Studiengang/Abschluss:     HWI/Dipl.-Ing. oec. (Wirtschaftsing.)

Abschlussjahr:                    1988

Arbeitgeber/Position:          Selbstständig

Sie leben auf den Seychellen, was hat Sie dorthin verschlagen?

Ich lebe seit über 10 Jahren auf den Seychellen. Meine Ehefrau kommt von hier, so war es abzusehen, dass wir irgendwann hier landen werden, um in Ruhe unseren Lebensnachmittag und –abend zu verbringen.

Wie war Ihr Werdegang, nachdem Sie die TUHH verlassen haben?

Als Wirtschaftsingenieur ist man für eine Karriere in der Unternehmensberatung prädestiniert, so habe ich auch zunächst diesen Weg eingeschlagen. Es ist zwar eine überaus herausfordernde Arbeit, aber man lernt im Vergleich zu anderen Werdegängen viel mehr in kürzester Zeit und arbeitet von Anfang an mit dem Management der Unternehmen zusammen. Allerdings ist man sehr viel unterwegs und oft auch für längere Zeit, insbesondere bei globalen Beratungsunternehmen, wie Price Waterhouse. Aber ich wollte gerne einen “festen Wohnsitz” haben, also verließ ich Price Waterhouse in Hamburg für die SAP in Walldorf. Innerhalb der SAP habe ich unterschiedliche Aufgaben und Rollen in der Beratung, im Vertrieb und im Management wahrgenommen. Nun war es hier nicht die Projektarbeit, die einen in der Welt umherschickt, sondern die regionale oder globale Rolle selbst. So habe ich mehrere Jahre in Dubai gelebt, als Managing Director der SAP für den Mittleren Osten. Anschließend bin ich nach Bahrain gezogen für fast zwei Jahre in der Verantwortung als Vice President für die SAP. In dieser Rolle habe ich auch sehr viel Zeit in Palo Alto und Philadelphia verbracht. Soviel zum “festen Wohnsitz”.

Meine Frau und ich haben die SAP und Deutschland dann 2009 verlassen, und sind für ein halbes Jahr nach London gezogen, und von dort aus dann auf  die Seychellen migriert. Dort haben wir uns ein Haus gebaut, 6 Hunde adoptiert, eine NGO gegründet, die eine lokale Reha-Klinik und ein Hospiz unterstützt, und uns an der Universität der Seychellen im Bereich Financial Services weitergebildet. Als selbstständige Unternehmensberater sind wir nun hier im Bereich Financial Services tätig und verdingen uns als “Fit-and-Proper” Direktoren für mehrere Investmentunternehmen (meine Frau ist Volkswirtin).

Durch Zufall lernte ich auf einer Veranstaltung den namibischen Botschafter für die SADC Länder kennen, was zur Folge hatte, dass ich 2018 zum Honorarkonsul für Namibia auf den Seychellen ernannt wurde. In dieser Funktion trifft man viele Volksdiener, bis zum Präsidenten der Republik. Er hat mich dann in den Aufsichtsrat der größten Bank der Seychellen berufen, in der die seychellische Regierung der Hauptaktionär ist. Mal schauen was die Zukunft noch so bringt.. Soviel zum ruhigen Lebensabend.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Es gibt keinen typischen Arbeitstag, außer daß ich morgens zuständig bin für das Frühstück für meine Frau und mich, unseren Haushälter und unsere Hunde. Danach setze ich mich an meinen Rechner und gehe durch meine Emails. Ich arbeite im Wesentlichen von zuhause, wenn keine Meetings in der Bank oder sonstwo in der Stadt anstehen. Nachmittags, wenn es die Zeit erlaubt, genehmige ich mir ein oder zwei Stunden für mein Online-Studium. Ich habe mich im März diesen Jahres für ein paar Astrophysikkurse an der Australian National University eingetragen.

Was ist das Tollste an Ihrem jetzigen Job?

Ich treffe interessante Menschen und kann Vieles bewegen, was sowohl für die Seychellen als auch für Namibia wirtschaftlich und ökologisch relevant ist. Als freiberuflicher Unternehmensberater, im Wesentlichen als Fit-and-Proper Direktor für mehrere Investmentunternehmen, lernt man viel über Assetmanagement, Finanzprodukte und Geschäftsethik und man kann natürlich seine Pension aufbessern, denn das Leben auf den Seychellen ist recht kostspielig.

Als Mitglied des Aufsichtsrates der Bank kann ich mit meiner Erfahrung als Berater in der Financial Services Industrie helfen, Prozesse zu etablieren um beispielsweise die zu erwarteten Risiken der Covid-19 Krise zu reduzieren. Das ist eine bereichernde und erfüllende Aufgabe.

Warum haben Sie sich damals für die TUHH entschieden und war das aus heutiger Sicht gut?

Ich habe mich nicht direkt für die TUHH entschieden sondern vielmehr für den Hochschulübergreifenden Studiengang Wirtschaftsingenieur (HWI), in dem die TUHH eine der austragenden Institutionen war. Es war nach meiner Ehefrau die beste Entscheidung meines Lebens. (Schiffbauingenieurwesen wäre meine Alternative gewesen, da ich auch qualifizierter Schiffbauer bin)

Was war Ihre Motivation, dieses Studienfach und diesen Beruf zu wählen?

Als Wirtschaftsingenieur wird man sowohl für ökonomische, rechtliche als auch für technische Aufgaben vorbereitet. Dies erschien mir interessanter als nur in eine bestimmte Richtung zu denken, wie Jura, Volks- und Betriebswirtschaftslehre oder Ingenieurwissenschaften. Es war allerdings auch ein sehr herausfordernder Studiengang, durch den man jedoch, wie oben erwähnt, eine gute multidisziplinäre Ausbildung für eine Karriere in der Unternehmensberatung erhält. Wenn man von einer internationalen Top Management Beratung kommt, kann man fast überall hin wechseln.
Meine Empfehlung:
Auch einem Ingenieurstudenten der TUHH würde ich nach meiner heutigen Erfahrung empfehlen parallel Vorlesungen in Finanzwissenschaften an der Universität Hamburg zu besuchen, oder im Anschluss an ein TUHH Bachelor Studium einen internationalen Master in Finance, Economics oder Business Administration zu erlangen, unbedingt in englischer Sprache. Alternativ, wenn man den rein technischen Weg gehen will und eine erfolgreiche Karriere machen möchte, würde ich die TUHH nicht ohne Promotion verlassen. Das ist schon fast eine Voraussetzung für globale High-Tech Unternehmen. Von Vorteil wären hier Auslandssemester bei Partneruniversitäten im Rahmen des Doktorandenstudiums.

Was haben Sie vom TUHH-Studium über die fachlichen Kenntnisse hinaus mitgenommen?

Ich habe seinerzeit mein Examen in Automatisierung bei Professor Cremer (RIP) von der TUHH gemacht. Während des Studiums habe ich an seinem Institut gearbeitet und dort die Laborversuche (Technische System Simulation, Robotics) geleitet. Außerdem habe ich “Nachhilfe-Vorlesungen” in Mathematik für meine Kommilitonen gehalten. Dabei habe ich gelernt daß man Sachverhalte am besten versteht, wenn man sie selbst unterrichtet. Diese Erfahrung hat mich mein ganzes Leben begleitet und mir oft den nötigen Mut gegeben, meine Hand zu heben, wenn es darum ging jemanden zu finden der sich schnell und gründlich in komplexe neue Themen einarbeiten kann, um das Erlernte dann an Kollegen/Peers weiterzugeben und natürlich auch Mitarbeiter zu coachen.

Was nutzen Sie aus dem Studium für Ihren Beruf?

Als Wirtschaftsingenieur kann man gut interdisziplinäre Aufgaben lösen und ist somit gut vorbereitet Unternehmen aus diversen Services und Industrien zu leiten, inklusive Beratungsunternehmen. Als Konsul helfe ich ein Doppelbesteuerungsabkommen und diverse technische Kooperationsverträge zu verhandeln sowie bilaterale Investitionen zu validieren. Also selbst für eine diplomatische Karriere liefert das Wi-Ing-Studium ein gutes Fundament.

Wo haben Sie in Hamburg/ Harburg neben dem Studium am liebsten Ihre Zeit verbracht?

Ich wohnte in Winterhude und war also oft im Stadtpark und in der Sternwarte zu finden. Aber ich mochte auch die Eppendorfer Szene, die Lichtspiele in Planten un Blomen, das Alsterufer im Sommer nach der Uni, Pöseldorfer Kneipen, die Fahrt mit der Fähre nach Blankenese und natürlich die Passagen am Jungfernstieg. Ich habe viele Städte besucht und in vielen gelebt, aber Hamburg ist noch immer bei weitem die schönste und lebenswerteste Stadt der Welt.

Was würden Sie einen allwissenden Forscher aus der Zukunft fragen?

Wie haben wir die wissenschaftlichen Herausforderungen des Warp-Antriebes und der Nuklearen Fusion gelöst und den Big Bang erklärt.

Wenn Sie Präsident der TUHH wären…

… würde ich versuchen wieder ein Teil von einem Hochschulübergreifenden Studiengang Wirtschaftingenieur zu werden!